Die Geschichte Tschechiens

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Die Geschichte Tschechiens

Historisch besteht Tschechien aus den Ländern Böhmen, Mähren und Tschechisch Schlesien (ehemals Österreichisch Schlesien, siehe auch Schlesien). Diese so genannten "Böhmischen Kronländer" gehörten im Mittelalter zum Zentrum europäischer Kultur, wurden aber im Verlauf konfessioneller Konflikte im 17. Jahrhundert geschwächt. So gewann das Herrscherhaus Habsburg zunehmend Einfluss über diese Gebiete, die letztendlich bis 1918 Bestandteil Österreichs waren.

Vor- und Frühgeschichte

Die Besiedlung Böhmens reicht mindestens bis 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. In der vorrömischen Eisenzeit (ab etwa 800 v. Chr.) wurde das Gebiet von Kelten besiedelt. Bekannt aus der antiken Literatur sind die Bojer, nach deren lateinischem Namen, Boiohaemum, Böhmen benannt wurde. Den Kelten folgten am Beginn des ersten Jahrhunderts nach Christus germanische Völker, vor allem die Markomannen. Die germanische Bevölkerung räumte Böhmen im 5. oder 6. Jahrhundert weitgehend und zog nach Süden ab. Seit etwa 550 wanderten Slawen von Osten her nach Böhmen ein und besiedelten es. Im 7. Jahrhundert werden in diesem Gebiet 14 slawische Stämme vermutet, darunter die in Zentralböhmen sesshaften Tschechen.

Die Volkszählung am 31. Dezember 1900 zeigte 63 Prozent Tschechen und 36 Prozent Deutsche in Böhmen. Am 28. Oktober 1918 wurde die Tschechoslowakische Republik gegründet.

Die Tschechoslowakei

Die eigentliche Gründung der Tschechoslowakei erfolgte im Zuge des Zerfalls der Österreichisch-Ungarischen Monarchie mit der Proklamierung der Tschechoslowakischen Republik am 28. Oktober 1918 in Prag und der anschließenden Proklamation einer Gruppe slowakischer Politiker, dass sie sich dem Staat anschließen, am 30. Oktober in Tur?iansky Svätý Martin (heute Martin). Die slowakische Bevölkerung verhielt sich gegenüber dem neugegründeten Staat überwiegend abwartend. Ungarn wiederum setzte der Gründung gewaltsamen Widerstand entgegen, da es die Slowakei als integralen Bestandteil seines Staatsgebietes betrachtete. Ein erster tschechischer Besetzungsversuch der Slowakei im Dezember 1918 scheiterte, ein zweiter Anlauf im Mai/Juni 1919 geriet nach Anfangserfolgen zum Debakel. Ein französisches Ultimatum gegen Ungarn rettete die Situation für Prag.

Nur vereinzelten Widerstand setzten die Sudetendeutschen Ende November und Anfang Dezember 1918 der Besetzung ihrer Heimat entgegen. An etwa acht Orten kam es zu bewaffnetem Widerstand, so am 27. November in der Industriestadt Brüx (Kampf um Brüx) und am 2. Dezember bei Kaplitz. Als am 4. März 1919 die sudetendeutsche Bevölkerung für das Selbstbestimmungsrecht der Völker demonstrierte, zerschlug tschechisches Militär die Kundgebungen. 54 Tote und fast 200 Verletzte waren zu beklagen.

Die offizielle Bezeichnung war von 1918 bis 1938 Tschechoslowakische Republik (?SR, anfangs R?S); bis 1923 Kurzform Tschecho-Slowakei. Der Staat ging aus den vorher zu Österreich gehörenden Gebieten Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien, sowie aus den zu Ungarn gehörenden Gebieten Slowakei und Karpatenrussland (Podkarpatská Rus, heute Karpato-Ukraine (Zakarpatská Ukrajina)) hervor.

Als erster Präsident wurde der Philosoph und Soziologe Tomá? Garrigue Masaryk gewählt. Erster Regierungschef war Karel Kramá?. Die provisorische Verfassung von November 1918 wurde vom Tschechoslowakischen Nationalausschuss verabschiedet, der im Juni 1918 aus Vertretern tschechischer Parteien entsprechend den Wahlergebnissen von 1911 zusammengesetzt war.

Im Februar 1920 wurde die zweite Verfassung nicht durch ein gewähltes Parlament, sondern durch die Provisorische Nationalversammlung angenommen, die durch eine Erweiterung des oben genannten Nationalausschusses gebildet wurde. Von den 270 Abgeordneten der Nationalversammlung wurden den Slowaken nur 54 Sitze zugeteilt. Die Deutschen in Böhmen und Mähren, welche die Gründung des neuen Staates überwiegend ablehnten, waren gänzlich von der verfassungsgebenden Nationalversammlung ausgeschlossen. Die ersten Parlamentswahlen fanden anschließend im April 1920 statt. Die Tschechoslowakei war neben der Schweiz das einzige Land Mitteleuropas, das bis zum Zweiten Weltkrieg eine parlamentarische Demokratie blieb.

Die Gründung einer von Rom unabhängigen tschechoslowakischen Kirche 1920 und die Erhebung des Hus-Tages zum Staatsfeiertag 1925 ließ den im 15. Jahrhundert entstandenen Konflikt mit dem Vatikan wieder aufflammen, der im Februar 1928 beigelegt wurde. Die Beziehungen zum Vatikan blieben indessen schwierig.

1920 und 1921 wurde durch eine Serie von Verträgen die Kleine Entente gegründet, ein Bündnis zwischen der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien, das gegen die ungarische Revisionspolitik und gegen Versuche habsburgischer Widerherstellung gerichtet war.

Auseinandersetzungen der bürgerlich-demokratischen Kräfte in der, von der Oktoberrevolution angefachten, Revolutionsbewegung in Europa machten auch vor der Tschechoslowakei keinen Halt. So wurde 1921 die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei gegründet.

Nach Masaryks Rücktritt 1935 wurde sein engster Mitarbeiter Edvard Bene? zu seinem Nachfolger.

Die Zeitspanne 1934 bis 1938 brachte neben einem wirtschaftlichen Niedergang eine weitere Gefahr, denn in den Grenzgebieten mit überwiegend sudetendeutscher Bevölkerung fand die Sudetendeutsche Partei von Konrad Henlein einen aufnahmebereiten Nährboden. Im Jahre 1935 begann der Bau wirksamer Grenzbefestigungsanlagen nach dem Vorbild der Maginot-Linie.

Innenpolitik

Die Tschechoslowakei war sowohl politisch als auch konfessionell ein heterogenes Gebilde. Nach den Ergebnissen der einzigen beiden tschechoslowakischen Volkszählungen der Zwischenkriegszeit bestand die Bevölkerung 1921 (1930) neben Tschechen 51,5 % (51,2 %) und Slowaken 14 % (15 %) noch aus einer großen Zahl von Deutschen 23,4 % (22,5 %) in den böhmischen Ländern (Sudetenland) und der Slowakei (Karpatendeutsche), sowie aus Magyaren 5,6 % (4,9 %) und Ruthenen beziehungsweise Ukrainern 3,5 % (3,9 %) in der Slowakei. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass bei den Volkszählungen die Tschechen und Slowaken als "Tschechoslowaken" angegeben wurden, so dass in manchen Quellen abweichende Anteile der Tschechen und Slowaken vorzufinden sind (zum Beispiel 43 % Tschechen und 22,5 % Slowaken), deren Summe aber von der obigen nicht abweicht. Die Ruthenen und Ukrainer wurden als "Rusové" (Russen) angegeben.

Das Verhältnis der Volksgruppen zueinander war konfliktbeladen. Es gab mehrere kleinere Auseinandersetzungen.

Die sudetendeutsche Volksgruppe lebte vor allem in den industriell geprägten Ballungsräumen und stellte prozentual eine größere Volksgruppe dar als die Slowaken. Mit ihrer Stellung im Staat waren sie unzufrieden, denn der Einmarsch tschechischer Truppen hatte 1918 Volksabstimmungen der Deutschen verhindert und der von den Sudetendeutschen geplante Anschluss an Österreich und war von den Siegermächten untersagt worden. Ehemals österreichische Beamte, die kein Tschechisch sprachen, wurden entlassen, ebenso erging es vielen Chefs staatseigener Betriebe. In den deutschen Schulen wurde die Staatssprache Tschechisch als Pflichtfach eingeführt (der sonstige Unterricht blieb deutsch). Viele Sudetendeutschen lehnten die Verpflichtung zum Erlernen der Staatssprache ab, wie sie in den zwanziger Jahren überhaupt in einer Fundamentalopposition gegenüber den neuen Machthabern verharrten. 1928 traten dann aber einige sudetendeutsche Parteien in die Regierung ein und die Lage entspannte sich etwas. Bereits wenige Jahre später waren große Teile der sudetendeutschen Bevölkerung von den Anfangserfolgen des deutschen Nationalsozialismus fasziniert. Die zuerst nach Autonomie strebende Sudetendeutsche Partei von Konrad Henlein wandte sich mit dem Erstarken des Nationalsozialismus Adolf Hitler zu.

Unzufrieden waren auch die Slowaken, die innerhalb des Staates keine Autonomie erhalten hatten, obwohl sie ihnen durch den Vertrag von Pittsburgh zwischen Amerikatschechen und Amerikaslowaken im Mai 1918 zugesichert worden war. Sie fühlten sich zudem durch den Begriff der tschechoslowakischen Nation beleidigt. 1929 kam es zudem zur Verurteilung einer der führenden slowakischen Persönlichkeiten, des slowakischen Professors Vojtech Tuka (*1880, ?1946) zu 15 Jahren Zuchthaus, von denen er acht Jahre tatsächlich im Gefängnis absitzen mußte. Tuka wurde während des Zweiten Weltkriegs slowakischer Premierminister. Slowakisch und Deutsch waren Anfang des 20. Jahrhunderts an Grundschulen in Ungarn nur als Fremdsprache zugelassen. Daher fehlte es an einer slowakisch sprechenden Intelligenz. Sie wurde durch tschechische Lehrer und Beamte ersetzt, deren Verhalten von den Slowaken als arrogant empfunden wurde. Die tschechischen Lehrer und Beamten trugen deutlich zu einer Tschechisierung der slowakischen Sprache bei.

Wirtschaft

In der Zwischenkriegszeit war die Tschechoslowakei einer der reichsten Staaten Europas, da die böhmischen Länder seinerzeit das industriereichste Gebiet Österreichs und die Slowakei eines der industriereichsten Gebiete Ungarns war. Jedoch war die Slowakei bis in die 1960er wirtschaftlich deutlich schwächer als der westliche Landesteil. Karpatenrussland, das 1945 von der UdSSR annektiert wurde, war 1918 ein praktisch industrieloses Gebiet mit einem hohen Anteil an Analphabetismus. Die Weltwirtschaftskrise traf auch die Tschechoslowakei in den Jahren 1929 bis 1933. Die Zahl der Arbeitslosen belief sich auf eine Million.

1938-1939

Am 28. März 1938 hat Adolf Hitler Konrad Henlein nach Berlin eingeladen und diesen aufgefordert, der tschechoslowakischen Regierung bezüglich der Nationalitätenfrage unerfüllbare Forderungen zu unterbreiten ("Von den Tschechen immer so viel fordern, dass wir nicht zufriedengestellt werden können"). Entsprechend dieser Forderung stellte Konrad Henlein als Führer der Sudetendeutschen Partei mit Adolf Hitler im Hintergrund am 24. April das Karlsbader Programm auf. Dies beinhaltete acht Punkte, unter anderem Gleichberechtigung, Autonomie und Wiedergutmachung der seit 1918 erlittenen Benachteiligungen.

Am 21. Mai wurde von der Tschechoslowakei eine teilweise Mobilmachung vorgenommen, da es Informationen über eine angebliche Verschiebung deutscher Truppen in Richtung Tschechoslowakei gab. Neun Tage später hat Hitler in Anbetracht der Mobilmachung detaillierte Instruktionen zur militärischen Liquidierung der Tschechoslowakei herausgegeben. Am 21. September hat die Tschechoslowakei einen Plan Frankreichs und Englands akzeptiert, nach dem Gebiete mit über 50% deutscher Bevölkerung an Deutschland zu übergeben waren. Am 23. September wurde eine allgemeine Mobilmachungen ausgerufen, nachdem Hitler den obigen Plan ablehnte. Die Mobilmachungen im Mai und September 1938 zeigten die Entschlossenheit des tschechischen und slowakischen Volkes, seine Republik zu verteidigen. Die Verbundenheit der Regierungspolitik mit Frankreich, Großbritannien und der Kleinen Entente hatte das Scheitern der Erwartungen auf ihre Unterstützung und daraufhin den politischen Zusammenbruch zur Folge.

Am 30. September 1938 wurde das Münchner Abkommen (von den Tschechen auch Münchner Diktat genannt) abgeschlossen. Dieses Abkommen bewirkte, unter Einwilligung Großbritanniens und Frankreichs und in Abwesenheit von der Tschechoslowakei, dass das gesamte Grenzgebiet Tschechiens (Sudetenland) Deutschland angeschlossen wurde. Ungarn sowie Polen wurde erlaubt ähnliche Forderungen an die Tschechoslowakei zu stellen, was später auch geschehen ist. Nach der Ausführung des Abkommens hinterließ man mit mehr als 40% der tschechischen Industrie einen fast wehrunfähigen und nur noch mühsam wirtschaftlich selbstständigen Reststaat. In den besetzten Gebieten fanden zunächst Vertreibungen und Morde an Tschechen, sowie Massenmorde und Verschleppungen von tschechischen Juden und Sinti beziehungsweise Roma statt. Die darauf folgenden Vergeltungsaktionen, wie zum Beispiel Sabotageakte tschechischer Widerstandskämpfer, führten erneut zu grausamen Aktionen durch die Wehrmacht und die SS.

Präsident Bene? hat am 5. Oktober 1938 sein Amt niedergelegt und flüchtete nach London. In Anbetracht des Chaos in Tschechien, erklärten die Slowaken einen Tag später ihre ersehnte Autonomie innerhalb der Tschechoslowakei. Diese wurde einen Tag später von Prag anerkannt und am 22. November im so genannten Autonomiegesetz verankert, durch das auch der Staat zutreffend in die Tschecho-slowakische Republik umbenannt wurde. Dieser Staat ist auch unter dem Namen die Zweite Republik bekannt. Am 11. Oktober wurde auch die erste autonome Regierung Karpatenrusslands ernannt. Am 31. Oktober erließ Hitler eine Richtlinie über die endgültige Liquidierung der Tschechoslowakei durch Besetzung des Tschechien und Abtrennung der Slowakei. Diese Richtlinie wurde dann in der Folge verwirklicht. Am 2. November verlor die Slowakei durch den Wiener Schiedsspruch etwa ein Drittel des Staatsgebietes an Ungarn. Im Februar 1939 haben die Deutschen begonnen, die slowakischen Vertreter offiziell zur Erklärung einer selbstständigen Slowakei zu überreden. Am 9. März haben tschechische Truppen die Slowakei besetzt, weil sie befürchteten, sie würde sich verselbstständigen. Es wurden 253 Slowaken in Mähren interniert und eine neue Regierung in der Slowakei eingesetzt. Am 13. März hat Hitler den von den Tschechen abgesetzten slowakischen Premierminister Jozef Tiso nach Berlin eingeladen und ihm "empfohlen" so schnell wie möglich (mit Hitlers Worten "blitzschnell") eine unabhängige Slowakei auszurufen. Sonst würde Hitler die Slowakei Ungarn und Polen überlassen. Am 14. März 1939 hat das aus Wahlen hervorgegangene slowakische Parlament einstimmig für die Selbstständigkeit gestimmt. Die Tschecho-Slowakei hat damit aufgehört zu existieren und die Slowakei wurde staatsrechtlich selbstständig. Einen Tag später hat Hitler, entgegen dem Münchner Abkommen und ohne die Zustimmung der ausländischen Großmächte, das restliche Tschechien einschließlich Prag besetzt und dies zum Protektorat Böhmen und Mähren erklärt. Gleichzeitig hat Ungarn entgegen dem Wiener Schiedsspruch Karpatenrussland besetzt. Im Gegensatz zu den Tschechen haben sich die Slowaken jedoch zur Wehr gesetzt: Nach einem weiteren Angriff Ungarns am 23. März im slowakisch-ungarischen Krieg vom 23. März bis zum 4. April 1938 hat die Slowakei "nur" die östlichste Slowakei an Ungarn verloren.

Bene? rechtfertigte seine Entscheidungen von 1938-1939 mit dem Bemühen um eine Verhinderung der Zerstörung der Sehenswürdigkeiten Prags sowie zahlreicher böhmischer und mährischer Städte.

1939 ? 1945

Protektorat

Das Protektorat Böhmen und Mähren umfasste die überwiegend von Tschechen bewohnten Teile Böhmens und Mährens. Die Regierung unter Präsident Emil Hacha stand unter der Aufsicht eines Reichsprotektors. Da das Protektorat dank seiner breiten industriellen Basis einen wertvollen materiellen Beitrag zur deutschen Kriegsmaschine geleistet hat (zum Kriegsende lieferte das Protektorat ca. 1/3 des deutschen Kriegsgeräts), fanden hier keine Massenvernichtungen statt. Verschleppungen in das Konzentrationslager Theresienstadt (Terezin) und in andere Arbeitslager außerhalb des Protektorats waren nicht unüblich. Von den rund 120.000 Juden der böhmischen Länder (davon rund 30.00 im sudetendeutschen Grenzgebiet, 90.000 im tschechischen Gebiet, dem späteren Protektorat) wurden rund 78.000 von den Nazis ermordet. Zudem wurden etwa 8.000 Tschechen ermordet, davon etwa 1.700 während der Terrorwelle nach dem Heydrich-Attentat.

Nach dem erfolgreichen Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich machten die Nazis am 10. Juni 1942 das Dorf Lidice und den Weiler Le?áky dem Erdboden gleich. Alle männlichen Einwohner wurden erschossen und Frauen, Kinder und Alte wurden in Konzentrationslager deportiert (zusammen knapp 200 Tote). Die Verschleppungen von Juden in die Konzentrationslager wurde fortgesetzt. Vier Tage vor dem Kriegsende brach noch in Prag und anderen tschechischen Städten ein bewaffneter kommunistischer Aufstand los, der sich vor allem gegen tschechische Kollaborateure und die deutsche Minderheit in Prag und Umgebung richtete.

Slowakei

Die Slowakei dagegen wurde nicht, bis auf einen kleinen Streifen entlang Mährens, von deutschen Truppen besetzt. Sie musste in der Folge mit Deutschland nur einen "Schutzvertrag" abschließen. Verschleppungen der Slowaken oder der Roma fanden nicht statt. Die Juden wurden aber nach ständigem Druck Deutschlands in Arbeitslager ins Ausland verschleppt. Nachdem jedoch publik wurde, um was für Arbeitslager es sich in Wirklichkeit handelte, wurden die Transporte gestoppt. Sie wurden erst Ende 1944 wieder aufgenommen. Ursache hierfür war der Slowakische Nationalaufstand. Viele Slowaken waren im August 1944 in diesem militärisch gescheiterten aber für die Nachkriegszeit wichtigen Aufstand gegen Hitler beteiligt. Hitler hat deswegen beschlossen, auch die Slowakei militärisch zu besetzen.

Exil-Tschechoslowakei

In London gründete Bene? 1940 eine Exilregierung und er selbst wurde zum Exilpräsidenten. Die Exilregierung wurden von Großbritannien, später auch von den USA und der Sowjetunion anerkannt. Die Tschechoslowakei wurde, unter intensiver Unterstützung durch in der UdSSR gebildete tschechoslowakische Legionen, überwiegend von der UdSSR vom Osten befreit (Besetzung von Bratislava am 4. April 1945, von Prag (gleichzeitig Kriegsende) am 8./9. Mai 1945). Das südwestliche Tschechien wurde aber durch die USA befreit. Die Besetzung Prags durch die Sowjetarmee am 9. Mai beendete auch den Kampf des tschechoslowakischen Widerstands gegen das Naziregime. Die Tschechoslowakei wurde in ihren Grenzen von 1937 erneuert-- außer dass Karpatenrussland der UdSSR überlassen wurde. Die Slowakei verlor ihre kurzlebige Unabhängigkeit.

1945-1948 (Die Dritte Republik)

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die offizielle Bezeichnung von 1945 bis 1960 wieder Tschechoslowakische Republik (?SR). Bezüglich der Sudetendeutschen setzten in Tschechien Racheakte, Massenflucht und ihre Abschiebung und Vertreibung auf der Basis des von allen Alliierten beschlossenen Potsdamer Abkommens und der darauf folgenden und darauf basierenden Bene?-Dekrete ein. Bei der ungarischen Minderheit ist nach einer Vereinbarung mit Ungarn sowie der weitgehenden Rückgängigmachung der anfänglichen Umsiedlungsversuche nach Tschechien 1948 die Anzahl der Ungarn in der Slowakei gegenüber dem Vorkriegsstand nur geringfügig gesunken.

Die Wahlen von 1946 haben in Tschechien die Kommunisten mit 40% und der Slowakei die Anti-Kommunisten (die Demokratische Partei) mit 62% gewonnen. Da jedoch die Slowakei deutlich kleiner ist als Tschechien, hat dieses Wahlergebnis den (schon seit dem Zweiten Weltkrieg teilweise von Moskau aus gelenkten) Kommunisten insgesamt auf landesweiter Ebene ermöglicht, in Prag zuerst entscheidende Ministerposten zu besetzen, dann 1947 schnell die slowakische Demokratische Partei aus dem Weg zu räumen und mit der Verstaatlichung der Wirtschaft zu beginnen und schließlich im Februar 1948 durch einen Staatsstreich die Macht vollständig an sich zu reißen.

1948-1989

Der wieder gegründete und 1948 kommunistisch gewordene Staat hatte sich der stalinistischen Politik der Sowjetunion anzufügen. Edvard Bene? trat zurück, weil er die neue Verfassung von Mai 1948 nicht unterschreiben wollte. Der kommunistische Führer Klement Gottwald proklamierte eine kommunistische Republik (seit 1960 dann offiziell Tschechoslowakische Sozialistische Republik (?SSR)) und wurde Präsident. Die tschechischen Landesteile Böhmen und Mähren bildeten mit der Slowakei einen einheitlichen zentralistischen Staat bis 1969.

Nach der Wahl von Alexander Dub?ek zum Parteichef 1967 begann im Frühjahr 1968 die Kommunistische Partei ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchzuführen, welches durch die rasch entstehende kritische und reformorientierte Öffentlichkeit beeinflusst und verstärkt wurde. Dieser Versuch, einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu schaffen, ging unter dem Schlagwort "Prager Frühling" in die Geschichte ein. Den Reformbemühungen wurde jedoch am 21. August 1968 durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei ein Ende gesetzt. Dub?ek wurde entmachtet und durch Gustáv Husák ersetzt, der die Reformen von Dubcek bis Anfang der 1970er rückgängig machte und sämtliche Führungspositionen im Staat bis 1987 innenhatte. 1969 wurde die Tschechoslowakei in einen aus Tschechien und der Slowakei bestehenden Bundesstaat umgewandelt.

1989 ? 1992

Nach der "Samtenen Revolution" 1989, einer verhältnismäßig friedlichen und gewaltlosen Erhebung des Volkes, wurde das Regime der Kommunistischen Partei beendet. Es zeichnete sich bald ab, dass der Staat "Tschechoslowakei" auf Dauer keinen Bestand mehr haben würde. Im April 1990 wurde die Bezeichnung Tschechoslowakische Föderative Republik in Tschechien beziehungsweise Tschecho-slowakische Föderative Republik in der Slowakei eingeführt; sie wurde aber etwa einen Monat später geändert und bis zu dem Zeitpunkt wo sich die beiden Staaten trennten, also bis zum Ende des Jahres 1992, hieß das Land die Tschechische und Slowakische Föderative Republik (?SFR) mit den Kurzformen Tschechoslowakei in Tschechien beziehungsweise Tschecho-Slowakei in der Slowakei.

Mit 1. Januar 1991 wurden jegliche (in der Vergangenheit üblichen) Umverteilungen von Budgetgeldern aus Tschechien in die Slowakei beendet. Im Mai 1991 haben die Abgeordneten des tschechischen Parlaments bereits hinter geschlossenen Türen über die Eventualität einer Auflösung der Tschechoslowakei verhandelt. Nach zahlreichen ergebnislosen Verhandlungen zwischen den Tschechen und den Slowaken wurde schließlich beschlossen, bezüglich einer endgültige Entscheidung über die Zukunft der Tschechoslowakei bis zu den Neuwahlen in 1992 zu warten. Nach Verhandlungen der damaligen, aus den Wahlen von 1992 hervorgegangenen Premierminister der Bundesstaaten Tschechien (Václav Klaus) und Slowakei (Vladimír Me?iar), hat man beschlossen, die Tschechoslowakei friedlich aufzulösen. Am 1. Januar 1993 teilte sich die Tschechoslowakei dann wie geplant in Tschechien und die Slowakei.

Die Tschechische Republik

Die heutige unabhängige Tschechische Republik mit der Hauptstadt Prag entstand somit am 1. Januar 1993 aus dem westlichen Teil der ehemaligen Tschechoslowakei und umfasst die so genannten ehemaligen Böhmischen Kronländer.

Im August 2002 litt Tschechien, wie auch andere Teile Mitteleuropas, unter schweren Überschwemmungen. Teile von Prag und anderen Städten oder Dörfern mussten evakuiert werden und Kulturgut wurde zerstört oder beschädigt.

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