Spaniens Geschichte

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Spaniens Geschichte

Die Ureinwohner der Pyrenäenhalbinsel waren die Iberer, nach denen auch die Halbinsel benannt worden ist. Im 11. Jahrhundert v. Chr. siedelten sich die Phönizier an der Südküste an, deren Kolonien Cádiz (Gades) die berühmteste war. Die Bezeichnung Spanien leitet sich von der römischen Bezeichnung "Hispania" (phöniz. "Küste der Kaninchen") ab. Geprägt wurde das Land auch durch die jahrhundertelange arabische Vorherrschaft, deren Erbe sich sowohl in der Architektur als auch in der Sprache niedergeschlagen hat. Mit der Vertreibung der Mauren von der iberischen Halbinsel und der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus im Jahr 1492 stieg Spanien vorübergehend zur Weltmacht auf.

 

Vorgeschichte

In einer Höhle im Felsen von Gibraltar wurde 1848 ein Schädel gefunden, der später als der eines Neandertalers bestimmt und auf ein Alter von rund 60.000 Jahren datiert wurde. Der Schädel eines, zum Zeitpunkt ihres Todes etwa 4 Jahre alten, Neandertaler-Mädchens wurde dort 1926 entdeckt. Höhlenmalereien des Homo Sapiens finden sich in der Höhle von Altamira bei Santillana del Mar in Kantabrien, wo mehr als 150 Wandbilder aus der Zeit von 16.000 bis 14.000 Jahren v. Chr. zu sehen sind. Weitere, teils bis zu 20.000 Jahre alte Höhlenmalereien wurden in der Höhle La Pileta nahe Ronda und in einer Höhle nahe Nerja, beide in der Provinz Málaga in Andalusien, entdeckt. In den Höhlen von Ekain und Altxerri, beide in der Nähe von San Sebastián im Nordosten der Iberischen Halbinsel, fanden Archäologen eine Reihe von Gravierungen und Wandmalereien und bisher mehr als 300 Artefakte, vor allem Werkzeuge aus Stein oder Knochen, deren älteste zwischen 16.500 und 15.500 Jahre alt und der frühen Magdalénien-Epoche zugeordnet sind. Die jüngsten, in der Cueva La Pileta gefundenen, Wandmalereien wurden etwa im 6. Jahrtausend v. Chr. angefertigt. Ebenfalls aus dieser Zeit stammen Malereien in der Höhle Cueva de los Letreros bei Vélez Blanco (Almería, Andalusien) und Grabbeigaben - Goldschmuck und gewobene Stoffe - aus der Höhle Cueva de los Murciélagos (Granada, Andalusien).

Bei Antequera (Málaga, Andalusien) liegen die beiden bronzezeitlichen Hügelgräber Dolmen de Menga und Dolmen de Viera aus der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr., die zu den größten derartigen Bauwerken in Europa gehören. Etwas außerhalb der Stadt befindet sich ein weiteres Hügelgrab, der Dolmen del Romeral, aus dem frühen 2. Jahrtausend v. Chr. (ca. 1800 v. Chr.).

Frühgeschichte und Römer

Um das Jahr 1000 v. Chr. besiedelte ein Volk afrikanischen Ursprungs die Region, die Iberer. Nach ihnen ist die Halbinsel benannt. Im 11. Jahrhundert v. Chr. siedelten sich die Phönizier an der Südküste an. Deren Kolonie Gades war die bedeutendste und die darauf zurückgehende Stadt - heute Cádiz genannt - ist die älteste Stadt Europas. Später gründeten die Griechen Handelsposten an der Küste (z. B. bei Málaga). Die im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. aus Gallien eingewanderten Kelten verschmolzen mit den Iberern nach vielen Kämpfen zum Volk der Keltiberer. Nach dem Ersten Punischen Krieg von 237 bis 219 v. Chr. eroberten die Karthager den Süden und Osten der Iberischen Halbinsel, deren Stadt Neukarthago (das heutige Cartagena) die wichtigste Ansiedlung wurde. Im Zweiten Punischen Krieg (206 v. Chr.) verloren sie diese Besitzungen aber wieder.

Nach den Karthagern versuchten die Römer das Land unter ihre Herrschaft zu bringen, was ihnen aber erst nach 200jährigen blutigen Kämpfen gegen die Keltiberer und Lusitanier (unter Viriatus) gelang,die Kantabrer wurden erst 19 v. Chr. von Augustus besiegt. Augustus unterteilte die Halbinsel auch nicht wie bisher in zwei Provinzen, Hispania Citerior und Hispania Ulterior, sondern in drei: Lusitania, Baetica und Taraconensis. Von Letzterer wurde unter Kaiser Hadrian die neue Provinz Galaecia et Asturia abgezweigt. Die Basken im Norden behielten ihre Unabhängigkeit. Da die Römer das Land mit vielen Straßen durchzogen und zahlreiche Kastelle bauten, wurde das Land schnell romanisiert und bald Hauptsitz römischer Kultur, dem mehrere römische Kaiser (Trajan, Hadrian, Antoninus, Marcus Aurelius, Theodosius I.) und angesehene Schriftsteller (Seneca, Lucanus, Martial) entstammten. Handel und Verkehr blühten, die Bevölkerung wuchs stark an.

Das Christentum breitete sich in Hispania trotz blutiger Verfolgung schnell aus, bis es unter Kaiser Konstantin I. zur vorherrschenden Religion wurde.

Mittelalter

Westgotisches Spanien

Zu Anfang des 5. Jahrhunderts, als der innere Zerfall des Römischen Reichs auch seine äußere Macht erschütterte, drangen die germanischen Völker der Ulanen, Vandalen und Sueben in Spanien ein und verwüsteten das Land, einige wurden sesshaft und gründeten Nachfolgekönigreiche der Römer, die sich noch eine Zeitlang im Osten der Halbinsel behaupten konnten. Die Iberische Halbinsel wurde nach 507 von den Westgoten, die zu Beginn des 5. Jahrhunderts anfangs noch als Bundesgenossen der Römer dort gekämpft hatten, erobert. Die anderen Stämme wurden vertrieben und Toledo wurde Hauptstadt des Westgotenreiches.

Die Westgoten, ursprünglich Arianer, traten später zum katholischen Glauben über, was nachhaltig die Beziehung des Königs zu seinen Untertanen verbesserte. Romanen und Goten lebten fortan relativ friedlich nebeneinander und das Westgotenreich erlebte im 7. Jahrhundert eine Blütezeit (stärkere Bindung der Kirche an den König, Rechtskodifikation), doch kam es bald auch wieder zu Thronkämpfen, die das Königtum nachhaltig schwächte.

Al-Andalus

711 nutzten Streitkräfte des Islam (Araber und Berber aus Marokko), der im 7. Jahrhundert vom Propheten Muhammad begründet worden war und schon den Maghreb beherrschte (siehe Islamische Expansion), den Bürgerkrieg im westgotischen Königreich auf der iberischen Halbinsel aus, um über die Straße von Gibraltar überzusetzen. Tariq Ibn Ziyad, der Unterbefehlshaber des Kalifen landete hierfür in Gibraltar (Djebel al Tariq), nachdem er vorher schon ein Expeditionsheer unter dem Offizier Tarif geschickt hatte. Dieser ging mit einem 500 Mann starken Expeditionsheer in der Nähe von Algeciras an Land, an einer Stelle, die später den Namen Tarifa bekam. Bei der Schlacht von Guadalete (711) wurden die Truppen des letzten westgotischen Königs Rodrigo (Roderich) vernichtend geschlagen.

Im Frühjahr 714 setzte Tariq gemeinsam mit Musa ibn Nusair, dem Gouverneur von Nordafrika, von Toledo aus die weitere Eroberung fort. Abdul Aziz, der Sohn von Musa ibn Nusair wurde als Statthalter von Al-Andalus eingesetzt, Sevilla wurde zur Hauptstadt benannt. Abdul Aziz heiratete Egilona, die Witwe von König Roderich.

Im Jahr 716 wurde Ayyub der Nachfolger von Abdul Aziz, er machte Córdoba zur Hauptstadt von Al-Andalus.

Um 718 beherrschten die Araber den größten Teil der Halbinsel (außer den Nordwesten, wo westgotische Adlige den Widerstand organisierten), ihre Expedition nach Frankreich wurde 732 bei Poitiers (Frankreich) vom fränkischen Hausmeier Karl Martell gestoppt.

Der vom Kalifen später eingesetzte Statthalter Sahm überschritt etwa 720 die Pyrenäen in Richtung Narbonne und Toulouse. In dieser Zeit (zwischen 716 und 730) schloss der Berberführer Manuza mit Herzog Eudo von Aquitanien einen Vertrag, außerdem heiratete Manuza die Tochter Eudos.

732 überquerte der General Ghafiki erneut die Pyrenäen, er eroberte Arles und Bordeaux. Als er in Richtung Tours zog, kam es am 25. und 31. Oktober 732 zur Schlacht bei Poitiers gegen die fränkischen Truppen unter Karl Martell. Dabei fiel Ghafiki und das Heer flüchtete zurück auf die iberische Halbinsel.

Im Jahr 735 kam es zu einem erneuten Feldzug nach Frankreich unter dem Statthalter Okba. Es wurden die Städte Arles, Avignon, Lyon und Teile der Provence erobert. Karl Martell schaffte es, die Muslime wieder nach Spanien zurückzudrängen, nur die Stadt Narbonne blieb in arabischer Hand.

Den Herrschern von Al-Andalus wurde durch das Umayyaden-Kalifat in Damaskus der Rang eines Emirs gewährt (siehe: Statthalter von Andalusien). Den aufreibenden Zwistigkeiten und blutigen Fehden, welche Ehrgeiz und Herrschsucht der arabischen Häuptlinge in dieser entfernten Provinz des Kalifats hervorriefen, machte 755 der bei der Vernichtung durch die Abbasiden (die sogenannte ?Abbasidenrevolution?) einzig übriggebliebene Spross der Umayyaden, Abd ar-Rahman I., ein Ende, welcher nach Spanien flüchtete und hier, vom Volk mit Jubel begrüßt, ein eigenes Reich mit der Hauptstadt Córdoba, das so genannte Emirat von Córdoba, gründete. Al-Andalus wurde häufig von internen Konflikten zwischen den arabischen Umayyaden, den Berbern aus Nordafrika und den christlichen Westgoten durchrüttelt.

763 schickte der Abbasiden-Kalif von Bagdad den General Mugharit nach Spanien, um Abd-ar Rahman I. zu besiegen und die Iberische Halbinsel in den Einflussbereich des neuen Kalifats zu bekommen. Abd-ar Rahman I. ging aus diesem Feldzug siegreich hervor, ein weiteres Abbasiden-Heer, das 777 Spanien erreichte, konnte ebenfalls zurückgeschlagen werden.

Im Winter 777/778 machte sich Ibn Arabi (Statthalter der nordspanischen Stadt Zaragoza) auf den Weg nach Paderborn, um bei Karl dem Großen um Unterstützung gegen Abd-ar Rahman I. zu bitten. Dabei wurde ihm der Ummayaden-General Ubaid al Djudhani als Geisel übergeben. Im Frühjahr 778 marschierte Karl der Große schließlich mit einem Heer über Pamplona nach Zaragoza, ein weiteres Heer zog nach Barcelona. Karl erlitt jedoch eine Niederlage (Roncesvalles), außerdem zwangen ihn die kürzlich von ihm befriedeten Sachsen dazu, zurückzukehren, weil sie seine Abwesenheit dazu nutzen, gegen die Stadt Köln zu ziehen.

Im Jahr 785 eroberten die Franken Gerona, ohne auf großen Widerstand zu stoßen. In der darauffolgenden Zeit geschehen auf beiden Seiten der Pyrenäen immer wieder kürzere Eroberungs- und Beutezüge, so brandschatzten die Araber im Jahr 795 Narbonne, 801 eroberten die Franken wiederum Barcelona, 811 Tortosa.

Am 3. September 788 starb Abd-ar Rahman I. in der Hauptstadt Córdoba. Die Nachfolge trat sein zweiter Sohn Hischam I. an; der älteste Sohn Abd-ar Rahmans I. erhob sich daraufhin gegen seinen Bruder, er unterlag jedoch und floh daraufhin nach Nordafrika.

791 zog Hischam I. nach Altkastilien, um die Region zu unterwerfen. Einer seiner Generäle besiegte weiter westlich König Vermudo von Asturien, anschließend vertrieb derselbe General die Franken 793 wieder aus Gerona und Narbonne. 795 eroberte General ibn Mugharit die Stadt Astorga.

Im Jahr 796 wurde Al-Hakam I. der Nachfolger seines Vaters Hischam I. Anschließend ging ein Onkel Hakams I. namens Abdallah nach Aachen, um Karl den Großen ein zweites Mal zu einem Feldzug gegen Al-Andalus zu bewegen. König Alfons II. von Asturien sagte Karl ebenfalls seine Unterstützung zu, worauf dieser sich für den Feldzug entschied. Ebenfalls mit dabei war Ludwig der Fromme, der mit seiner Armee im Jahr 800 die Städte Lérida und Huesca plünderte und Barcelona belagerte. 803 ergab sich Barcelona schließlich und der dortige Graf nahm den Titel Markgraf von Gothien an. Anschließend wurde zwischen Hakam I. und Karl dem Großen ein Waffenstillstand ausgehandelt.

822 starb Hakam I.; sein Nachfolger wurde Abd ar-Rahman II., dessen Regierungszeit von literarischer und künstlerischer Blüte geprägt war. In dieser Zeit traten viele Nichtmuslime zum Islam über, und das Arabische wurde die am meisten gesprochene Sprache in Al-Andalus. So wurde beispielsweise damals auch die Bibel ins Arabische übersetzt, weil sie sonst von großen Bevölkerungsteilen nicht mehr hätte gelesen werden können. Dieser Umstand führte schließlich auch zu Revolten einiger Christen, hauptsächlich unter dem Prediger Eulogius und dem Laien Álvaro.

Zu jener Zeit kam der Künstler Ziryab (Ali ibn Nafi) an den Hof Abd-ar Rahmans II. und gründete in Córdoba ein Konservatorium. Die Bildung und Weltläufigkeit Ziryabs wirkten sich in den Folgejahren auf das gesamte gesellschaftliche Leben in Al-Andalus aus.

839/840 sandte Kaiser Theophilos von Konstantinopel Kratios, einen Dolmetscher an seinem Hof, zu Abd-ar Rahman II. in Córdoba. Er überreichte diesem einen Freundschaftspakt, der unter anderem die Rückgabe Kretas an Konstantinopel beinhaltete. Kreta war seit 818 in der Hand von Andalusiern, die damals nach einer niedergeschlagenen Revolte gegen den andalusischen Hof auf diese Insel fliehten. Abd ar-Rahman lehnte den Pakt ab, weil die Cordobeser auf Kreta nicht seinem Reich verpflichtet fühlte. Allerdings sandte er zum Dank für die Ehre, die ihm Theophilos zukommen ließ, ebenfalls zwei Vertreter seines Hofs nach Konstantinopel.

Am 20. August 844 erschienen die Wikinger an der Mündung des Tejo, ein paar Wochen später erreichten sie Cádiz im Südwesten der Halbinsel. Von dort aus fuhren sie flussaufwärts auf dem Guadalquivir bis nach Sevilla und plünderten die Stadt etwa eine Woche lang, bis sie am 11. November des gleichen Jahres von den Truppen Abd ar-Rahmans II. besiegt wurden.

Als im Jahr 852 Abd ar-Rahman II. starb, übernahm dessen Sohn Muhammad die Führung. Dieser ging härter als sein Vater gegen die christlichen Revolten vor, worauf diese nach der Hinrichtung Eulogius und Álvaros wieder abebbten.

888 starb Muhammad, anschließend wurde sein Sohn Al-Mundir der Nachfolger, der wiederum im Zuge einer Revolte am 29. Juni des selben Jahres vor der Festung Bobastro fiel. Unter dem nächsten Nachfolger namens Abdallah versank das Land vorübergehend in weitere Kämpfe, Verrätereien und Morde, begleitet von den verschiedensten Allianzen, die zwischen den Fürsten von Al-Andalus eingegangen werden.

912 starb Abdullah im Alter von 68 Jahren. Nachfolger wurde sein Neffe Abd ar-Rahman III. (gest. 961). Dieser gründete 929 das Kalifat von Córdoba. In dieser Zeit erreichten arabische Kunst und Wissenschaft auf der iberischen Halbinsel ihre Blüte. Bevölkerungsreiche Städte schmückten das Land; das Gebiet des Guadalquivir soll allein 12.000 bewohnte Orte gezählt haben. Córdoba hatte 113.000 Häuser, 600 Moscheen, darunter die prachtvolle Hauptmoschee, und herrliche Paläste, darunter den Alcázar. Mit Córdoba wetteiferten andere Städte wie Granada mit der Alhambra, Sevilla und Toledo. In gleichem Sinn wie Abd ar-Rahman III. regierte sein als Dichter und Gelehrter ausgezeichneter Sohn al-Hakam II. (961-976), wogegen unter dem schwachen Hischam II. (976-1013) das Kalifat zu sinken begann. Das Kalifat erreichte seinen Höhepunkt unter Abi Amir al-Mansur (auch Almanzor d.h. der Siegreiche), einem Statthalter Hischams II., um das Jahr 1000, als Barcelona (985) und andere christliche Städte von den Muslimen geplündert wurden. Nach Almanzors Tod stürzte das Kalifat in einen Bürgerkrieg und zerfiel in mehr als zwanzig Emirate, die so genannten ?Taifa-Königreiche?. Nach dem Verlust von Toledo im Jahr 1085, brachen die Almoraviden von Nordafrika ein und unterwarfen al-Andalus. Im 12. Jahrhundert brach das Königreich der Almoraviden ebenfalls auseinander, nur um durch eine almohadische Invasion 1147 übernommen zu werden. Nach der entscheidenden Schlacht bei Las Navas de Tolosa (16. Juli 1212), blieb nur noch das Königreich von Granada unter den Nasriden bis 1492 über.

Al-Andalus bleibt als Beispiel höchster arabischer Kultur und Wissenschaft im kollektiven Gedächtnis der Araber noch heute erhalten. Es war geprägt von einem Klima der Toleranz zwischen den herrschenden Muslimen und den großen christlichen und jüdischen Gemeinden.

Reconquista: 8. bis 15. Jahrhundert

Die Vertreibung der Muslime begann unter dem ersten König des Königreichs von Asturien, Pelayo (718-737), der den Kampf gegen die Mauren in den Bergen von Covadonga aufnahm. Später führten seine Söhne und Nachkommen dieses Werk fort, bis alle Muslime vertrieben waren. Währenddessen errichteten die fränkischen Herrscher im Osten der Halbinsel, jenseits der Pyrenäen, im heutigen Katalonien, die Spanische Mark und eroberten 785 Girona und 801 Barcelona.

Der Gedanke, die Reconquista als einzelnen Prozess zu begreifen, der acht Jahrhunderte überspannte, ist historisch unkorrekt. Die christlichen Reiche im Norden Spaniens kämpften sowohl gegeneinander als auch gegen die Muslime. Der spanische Volksheld des 11. Jahrhunderts, El Cid, wurde von König Alfons VI. verbannt und fand Zuflucht beim muslimischen König von Saragossa. Die Idee der Wiedereroberung durch einen Kreuzzug und das Bedürfnis religiöser Reinheit in Spanien ist vermutlich durch die ?katholischen Monarchen? Isabella I. von Kastilien und Ferdinand von Aragón eingeführt worden, um ihre Eroberung von Granada, die Ausweisung der Juden, von denen 160.000 zu dieser Zeit in Spanien lebten und die gewaltsame Bekehrung der Mauren zu rechtfertigen.

Im 15. Jahrhundert vereinigten sich die Königreiche von Kastilien und Aragón und alle Muslime wurden von der iberischen Halbinsel vertrieben. Aragón war zu dieser Zeit schon länger eine wichtige Seemacht im Mittelmeer und Kastilien stand in Konkurrenz mit Portugal um die Vorherrschaft im Atlantischen Ozean. Nach der Eroberung der letzten maurischen Festung bei Granada am 2. Januar 1492 begann Spanien, Missionen zur Erforschung der Weltmeere zu finanzieren. Die von Christoph Kolumbus brachte eine Neue Welt in den Blickwinkel europäischer Aufmerksamkeit. Es folgten Conquistadores, Eroberer, die die einheimischen Reiche in Mittelamerika und die der Inka unter spanische Herrschaft brachten.

Spanien unter den Habsburgern

Erbin Ferdinands und Isabellas wurde die älteste Tochter, Johanna, welche mit ihrem Gemahl Philipp I., dem Sohn des deutschen Kaisers Maximilian I., nach Isabellas Tod (1504) zunächst in Kastilien zur Regierung kam. Mit Philipp bestieg das Haus Habsburg den spanischen Thron. Als Philipp 1506 jung starb und Johanna wahnsinnig wurde, wurde Ferdinand zum Vormund ihres Sohnes Karl erklärt, welcher 1512 Navarra mit seinem Reich vereinigte. Nach Ferdinands Tod (1516) übernahm Kardinal Jimenez die Regentschaft bis zur Ankunft des jungen Königs Karl I., welcher 1517 selbst die Regierung antrat und den verdienten Staatsmann sofort entließ. Da Karl 1519 auch zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs (Karl V.) gewählt wurde, verließ er Spanien jedoch 1520 wieder.

Für die Begründung einer habsburgischen Weltmacht und die Ausbreitung des römisch-katholischen Glaubens kämpften die spanischen Heere am Po, an der Elbe, in Mexiko und Peru. Dem Stolz der Spanier schmeichelte es, die gebietende Macht in Europa zu sein, ihrem Glaubenseifer, für die Ausrottung der Ketzerei, wie früher des Islam, zu streiten.

Als Karl V. 1556 die Regierung niederlegte, wurden die österreichischen Besitzungen des Hauses Habsburg und die Kaiserkrone von Spanien wieder getrennt, das in Europa nur die Niederlande, die Franche-Comté, Mailand, Neapel, Sizilien und Sardinien behielt.

Spanien wurde der Mittelpunkt einer mit großartigen Machtmitteln ins Werk gesetzten katholischen Reaktionspolitik, welche den Sieg des römischen Papismus zugleich über Türken und Ketzer erstreiten wollte. Zu diesem Zweck unterdrückte Philipp II. (1556-98) den Rest der politischen Freiheiten und unterwarf alle Stände einem unumschränkten Despotismus. Die unaufhörlichen Kriege zehrten nicht nur die reichen Einkünfte der Kolonien auf, sondern zwangen den König, auf immer neue Mittel zu sinnen, seine Einnahmen zu mehren: Jedes Eigentum (außer dem der Kirche) und jedes Gewerbe wurde mit drückendsten Steuern belegt, Schulden aller Art aufgenommen, aber nicht bedient, die Münze verschlechtert, Ehren und &Aumlmter käuflich gemacht und schließlich so genannte Donativen, Zwangsanleihen, den Einwohnern abgefordert. Doch die spanische Reaktionspolitik erzielte dabei keine wesentlichen Erfolge. Der Versuch, England wieder der katholischen Kirche zu unterwerfen, scheiterte 1588 mit dem Untergang der großen Armada.

Philipp IV. (1621-1665), welcher einen prächtigen Hof hielt und die Künste pflegte und förderte, nahm die kriegerische Politik Philipps II. wieder auf. Im Bund mit Österreich wollte er die Alleinherrschaft des Papsttums wiederherstellen und ein habsburgisches Weltreich errichten. Der Krieg mit den freien Niederlanden begann von neuem. Im Dreißigjährigen Krieg kämpften wieder spanische Truppen in Deutschland und Italien, und der spanische Gesandte in Wien hatte in deutschen Angelegenheiten die entscheidende Stimme. Aber das glänzende Gebäude fiel letztendlich schmählich in sich zusammen und es zeigte sich, dass die Weltmachtallüren Spaniens nur trügerischer Schein gewesen waren.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg musste Spanien 1648 im Westfälischen Frieden die Unabhängigkeit der Vereinigten Niederlande und in Deutschland die Gleichberechtigung der Protestanten anerkennen. Im Pyrenäischen Frieden (1659) verlor es einen Teil der Niederlande an Frankreich, Dünkirchen und Jamaika an England. Als nach dem Tod Philipps IV. der schwächliche Karl II. (1665-1700) den Thron bestieg, erhob der französische König Ludwig XIV. als Gemahl von Philipps Tochter Maria Theresia Erbansprüche auf die Spanischen Niederlande, wurde aber im Devolutionskrieg daran gehindert, sich derer ganz zu bemächtigen.

Am Ende der Regierung Karls II. war die Bevölkerung auf 5.700.000 Menschen herabgesunken, aus zahllosen Ortschaften war die Bevölkerung verschwunden, ganze Landstriche glichen Wüsten. Die Staatseinkünfte verminderten sich trotz des härtesten Steuerdrucks und fast räuberischer Finanzmaßregeln so, dass der König seine Dienerschaft nicht mehr bezahlen konnte, oft nicht einmal seine Tafel. Weder Beamte noch Soldaten wurden besoldet. Aus Geldmangel kehrte man in vielen Provinzen zum Tauschhandel zurück. So sah die Lage Spaniens aus, als die Linie der spanischen Habsburger nach 200jähriger Herrschaft am 3. November 1700 mit Karl II. erlosch, das selbstverschuldete Resultat einer selbstmörderischen katholisch-absolutistischen Politik.

Es folgte der Spanische Erbfolgekrieg in dem die anderen europäischen Herrscherhäuser die Macht über die spanische Monarchie an sich zu reißen versuchten.

Spanien unter den Bourbonen

Der erste Bourbonenkönig französischer Herkunft, Philipp V. (1700-1746), obwohl selbst von keiner großen Bedeutung, brachte doch aus seiner Heimat ein ganz anderes Regierungssystem und neue Kräfte in das zerrüttete Staatswesen. Die Fremden, Franzosen und Italiener, welche Philipp an die Spitze der Behörden und des Heers stellte, und unter denen Alberoni hervorragte, führten nun, wenn auch in etwas gewaltsamer Weise und in nur beschränktem Umfang, die Grundsätze der französischen Staatsverwaltung durch: alle die einheitliche Staatsgewalt hemmenden Missbräuche wurden beseitigt, Handel und Gewerbe, Wissenschaft und Kunst gefördert, die Privilegien der Provinzen aufgehoben, eine einheitliche Besteuerung und Steuererhebung eingerichtet (Decreto de Nueva Planta 1515). Die wohltätigen Folgen einer zwar unumschränkten, aber tätigen und verständigen Königsmacht zeigten sich auch überraschend schnell. Aber als sie auch die Herrschaft der Kirche anfocht und deren Missbräuche abschaffen wollte, stieß die Regierung beim Volk auf allgemeinen energischen Widerstand, dem Philipp V. unter dem Einfluss seiner zweiten Gemahlin, Elisabetta Farnese, nachgab; die Hierarchie feierte einen glänzenden Triumph, und die Kurie und die Inquisition herrschten nach wie vor in Spanien. Die Regierung des schwächlichen, hypochondrischen Ferdinand VI. (1746-1759) war segensreich, weil sie sparsam und friedliebend war. In materieller Beziehung nahm das Land einen bedeutenden Aufschwung.

Einen bedeutenden Fortschritt aber in der Entwickelung zum modernen Staat bezeichnete die Regierung Karls III. (1759-1788), des Stiefbruders Ferdinands VI. der, obwohl strenggläubig, doch vom damals herrschenden Staatsbewusstsein erfüllt und Spanien den anderen Staaten ebenbürtig zu machen bestrebt war. Ihm standen bei seinen Reformen drei bedeutende Staatsmänner, Aranda, Floridablanca und Campomanes, zur Seite. Die unglückliche Beteiligung Spaniens am Krieg Frankreichs gegen England 1761-62 infolge des nachteiligen bourbonischen Familienvertrages störte anfangs die Reformtätigkeit. Diese erhielt indessen eine wesentliche Förderung 1767 durch die Ausweisung der Jesuiten. Nun konnten eine Menge Missbräuche und Übergriffe der Geistlichkeit beseitigt oder beschränkt und ein erfreuliches Zusammenwirken des Staats und der Kirche hergestellt werden, welches auf Bildung und Gesittung des Volkes einen höchst heilsamen Einfluss ausübte. Viele Reformen blieben freilich auf dem Papier stehen, da es bei der beispiellosen Versunkenheit Spaniens in Ackerbau, Gewerbe und Unterricht an allen Voraussetzungen ihrer Durchführbarkeit fehlte. Die 30jährige angestrengteste Tätigkeit der Regierung, die Verwendung ungeheurer Summen auf Ansiedelungen, Bergwerke, Fabriken und Straßen, die Freigabe des Handels mit Amerika brachten daher nur zum Teil Früchte. Die Bevölkerung war 1788 erst auf 10.270.000 Menschen wieder angewachsen.

Der zweite unglückliche Krieg gegen England (1780-83), in den Spanien wieder durch den Familienvertrag verwickelt wurde, verschlang solche Summen, dass ein verzinslichtes Papiergeld ausgegeben werden musste. Die unleugbaren Fortschritte in Volksbildung und Volkswohlfahrt hätten aber doch bei dem frischen Geist, bei der zugleich patriotischen und freiheitlichen Bewegung, von denen die Nation durchweht war, wohl günstige und dauerhafte Ergebnisse zur Folge gehabt, wenn Spanien eine längere Reformperiode vergönnt gewesen wäre. Die vielversprechenden Anfänge gingen aber unter Karls III. Nachfolger Karl IV. (1788-1808) völlig zu Grunde, und Spanien wurde durch eine heillose und "verbrecherische" Politik dem Untergang nahegebracht.

Zeit der Französischen Revolution und Napoleons

Spanien während der Revolutionszeit

Karl IV. ein gutmütiger, aber unfähiger Fürst, wurde ganz beherrscht von seiner klugen und entschlossenen, jedoch sittenlosen Gemahlin Marie Luise von Parma, welche durch Günstlingswirtschaft und Verschwendung die Staatsverwaltung und die Finanzen in Verwirrung brachte und ihrem Geliebten Godoy, dem Friedensfürsten, den herrschenden Einfluss, endlich nach Beseitigung Floridablancas und Arandas im November 1792 auch die oberste Leitung der Staatsgeschäfte verschaffte. Nachdem Spanien dem Sturz der Bourbonen in Frankreich untätig zugesehen, wurde es 1793 doch durch die Hinrichtung Ludwigs XVI. und die Insulten des Konvents veranlasst, Frankreich den Krieg zu erklären, welcher mit einer so beispiellosen Unfähigkeit geführt wurde, dass er trotz der Schwäche der Franzosen und trotz der Opferwilligkeit der Nation mit einer feindlichen Invasion in Navarra, den baskischen Provinzen und Aragón endete. Die Gunst der Umstände verschaffte Spanien noch den vorteilhaften Frieden von Basel (22. Juli 1795). Aber es geriet durch denselben in völlige Abhängigkeit von Frankreich, welche der leichtfertige Godoy durch den Vertrag von San Ildefonso (27. Juni 1796) besiegelte. Derselbe zwang Spanien, das kaum die Kosten des letzten Kriegs hatte aufbringen können, zum Krieg mit England und gleich die erste Schlacht beim Kap St. Vincent (14. Februar 1797) zeigte die Unbrauchbarkeit der spanischen Flotte. Dazu unternahm Godoy 1801 in französischem Interesse noch einen ruhmlosen Krieg gegen Portugal. Im Frieden von Amiens (23. März 1802) musste Spanien zwar an England bloß Trinidad abtreten, aber seine Herrschaft in den amerikanischen Kolonien war erschüttert und seine Finanzen zerrüttet. Der Fehlschlag der merkantilen und industriellen Revolutionen ließen das Land als Wirtschafts- und Weltmacht hinter Großbritannien, Frankreich und Deutschland zurückfallen.

Trotz dieser Zustände stürzte Godoy durch einen neuen ungünstigen Vertrag mit Frankreich (9. Oktober 1803) das finanziell erschöpfte Spanien in einen Krieg mit England, in welchem bei Finisterre (22. Juli) und bei Trafalgar (20. Oktober 1805) Spaniens letzte Flotte zu Grunde ging. Das Volk ließ dies alles geduldig über sich ergehen und wankte nicht in seiner unbedingten Loyalität, aber die Entrüstung richtete sich gegen den schamlosen Günstling Godoy, der in seiner Verblendung sogar die Hoffnung hegte, Regent von Spanien zu werden oder sich die Königskrone von Südportugal aufs Haupt zu setzen. Als er, um dies letztere zu erreichen, sich mit Frankreich im Vertrag von Fontainebleau (27. Oktober 1807) zu einem Kriege gegen Portugal verband und Napoleon französische Truppen über die Pyrenäen in Spanien einrücken ließ, kam es 18. März 1808 in Aranjuez zu einer Erhebung des Volkes gegen