Die Geschichte Schwedens
Die Geschichte Schwedens
Gegen Ende der letzten Eiszeit (um 12.000 v.Chr.) begannen die ersten Menschen über eine Landbrücke zwischen Deutschland und Schonen in die Küstengebiete einzuwandern. Die ältesten Funde sind etwa 13.000 Jahre alt und liegen in Schonen. Diese nomadisierenden Jäger und Fischer zogen der Küste entlang nach Norden und als die Landbrücke um 5.000 v.Chr. verschwand, waren Mittelschweden und die Küsten Nordschwedens besiedelt.
In vorgeschichtlicher Zeit (11.000 v.Chr. ? 800 n.Chr.)
Um ungefähr 4.000 v.Chr. hielt die Landwirtschaft ihren Einzug in Schweden, es entstanden festere Siedlungsformen und Gemeinschaftsgrabstätten. Aufgrund deren Ausformung (Ganggräber, Steinplattengräber, Brandgräber, Hügelgräber und andere) kann man in den folgenden Jahrtausenden zwischen unterschiedlichen Kulturen unterscheiden. Grabbeigaben und Felsenzeichnungen ergänzen das Bild.
Den Funden nach zu urteilen existierte zwischen Chr.Geburt und 400 n.Chr. ein lebhafter Handel mit dem Römischen Reich. Römische Importprodukte kamen bis in den hohen Norden. Skandinavien wurde auch zum ersten Mal in römischen Schriften erwähnt, wie in den naturalis historia Plinius,des Älteren aus dem Jahr 79 und der Germania des Gaius Cornelius Tacitus, der als erster das Volk der Schweden als Suionen erwähnte. Auf der Weltkarte des Ptolemäus um 150 ist Skandinavien erstmals kartographisch erfasst (siehe Scandza). Im Gegensatz zu der vorangehenden kollektiven Gesellschaftsform kam es nun auch zu einer stärkeren sozialen Schichtung, wie vor allem prächtig ausgestattete Kammergräber zeigen. Gegen Ende dieses Zeitraums wurde auch die Runenschrift eingeführt.
Im Zeitraum zwischen 400 und 800 n.Chr. setzte die Machtkonzentration auf einige Zentren fort. Mächtige Hügelgräber weisen darauf hin, dass es lokale Häuptlinge/Stammesfürsten gab. Zahlreiche Fluchtburgen zeigen die unsicheren Zeiten und dass man in ständiger Kriegsbereitschaft lebte. Handelsplätze wie Helgö und später Birka lassen auf umfangreiche internationale Kontakte schließen.
Wikingerzeit (800 ? 1050)
Um das Jahr 800 begannen die langen Wikingerfahrten, kombinierte Kriegs- und Handelszüge, in westliche und östliche Richtung. Die dänischen und norwegischen Wikingerzüge gingen nach Westen. An ihnen nahmen auch die Wikinger der heute südschwedischen Provinzen teil, die damals zu Dänemark gehörten. Wikingerzüge der mittelschwedischen Bevölkerung (Väster- und Östergötland sowie Svealand) richteten sich meist nach Osten. Über die großen russischen Flüsse erreichten sie Konstantinopel (Miklagård) und das Seidenland am Kaspischen Meer (Särkland). Diese Winkingerzüge waren meist Handelszüge, doch weisen historische und archäologische Quellen auf eine starke politische Beteiligung der Wikinger an der Entstehung des Großfürstentums von Kiew hin, dessen Fürsten skandinavischen Ursprungs waren. Auf die Wikingerzüge folgte meist eine umfassende Kolonisation.
Die weiten Handelszüge führten zu einem markanten wirtschaftlichen Aufschwung, was sich in der Gründung von Handelsstädten niederschlug. Birka entstand nach 700, Sigtuna um 1000, beide am Mälaren gelegen. Der internationale Handel mit Luxuswaren wie Silber und Seide aus dem Osten, Waffen und Gläser aus dem Westen, Pelze aus dem Norden sowie der Sklavenhandel bilden die wirtschaftliche Grundlage dieser Städte.
In dieser Zeit wurde auch der Grund für die späteren skandinavischen Reiche gelegt. Am Beginn des 11. Jahrhunderts war das Königreich ein loser Verbund selbständiger Landschaften (Väster- och Östergötland-- Svealand und die kleinen Länder, Småland, im Süden) mit eigenem Thing und eigenen Gesetzen und Richtern, zusammengehalten durch die Person des Königs, der zur Wahl von Thing zu Thing reisen musste. Deren Macht war ziemlich gering.
In diese Zeit fällt auch die Christianisierung Schwedens. Der erste Kontakt mit dem Christentum entstand durch die Missionstätigkeit des heiligen Ansgar, des Erzbischofs von Hamburg-Bremen. Er unternahm um 830 und 853 zwei Missionsreisen nach Schweden, die allerdings keinen Erfolg hatten. Im Jahr 1008 ließ sich König Olof Skötkonung jedoch taufen. Doch bis ins 12. Jahrhundert waren weite Teile der Bevölkerung heidnisch.
Hochmittelalter (1050 - 1389)
Die eigentliche Reichsgründung geschah im Hochmittelalter zwischen 1000 und 1300 n.Chr. und geht Hand in Hand mit der Christiansierung. Mit dem Durchbruch der christlichen Missionstätigkeit in Götaland entstand nach 1000 auch das christliche Königtum mit dem Anspruch auf Anerkennung sowohl in Göta- wie auch in Svealand. Es war jedoch am Beginn umstritten, instabil und meist nur von regionaler Bedeutung. Darüber hinaus war es ein Wahlkönigtum, was oft zu Kämpfen um die Thronfolge führte. So kämpften zwischen 1130 und 1250 die Gechlechter Sverkers und Eriks um die Königsmacht. Die wichtigste Machtposition nach dem König hatte im 12. und 13. Jahrhundert der Jarl inne. Der letzte und einer der mächtigsten Jarle in Schweden war Birger Jarl, dessen Sohn Waldemar 1250 zum König gewählt wurde. Dieser wurde jedoch von seinem Bruder Magnus Ladulås durch einen Staatsstreich abgesetzt. Unter Birger Jarl und den nachfolgenden Folkungern kam es zu umfassenden politischen und sozialen Reformen. Es gelang ihnen, eine Zentralmacht aufzubauen und die Gesellschaft nach dem Vorbild der feudalen europäischen Staaten zu organisieren. 1350 wurden schließlich die alten Landesgesetze durch ein im ganzen Reich geltendes Gesetz ersetzt.
Der Ausbau der Königsmacht ging Hand in Hand mit dem Aufbau der kirchlichen Organisation. Kirche und Königtum waren aufeinander angewiesen Im 11. und 12. Jahrhundert entstand eine kirchliche Organisation mit Bischofssitzen in Skara, Linköping, Sigtuna und anderen Orten. Aus dem Bistum Uppsala ging 1164 Schwedens erstes Erzbistum hervor. Auf dem Kirchentreffen von Skänninge 1248 erhielt die Kirche ihre eigene kanonische Kirchenordnung, die ihre Unabhängigkeit von der weltlichen Macht vergrößerte. Die Festigung der Position der Kirche hatte weitreichende kulturelle und gesellschaftliche Folgen, wie beispielsweise die Abschaffung der weitverbreiteten Sklaverei 1335.
Neben dem geistlichen Stand entstand auch ein Reichsadel aus den Gefolgsleuten des Königs und der Stammesfürsten, dem 1280 Steuerfreiheit bewilligt wurde. Vertreter des Reichsadels und der Kirche (Bischöfe) bildeten den Reichsrat, ein Gegengewicht zur Königsmacht. Machtbasis des Reichsadels waren die ? im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern nicht erblichen ? Lehen, deren Burgen Zentren der Verwaltung waren.
Im 12. und 13. Jahrhundert wurde auch die Expansionspolitik nach Osten hin wieder aufgenommen, mit dem Ziel, sich Finnland einzuverleiben, diesmal nicht in Form von Wikingerzügen, sondern ? den neuen Anschauungen folgend - in Form von mehreren Kreuzzügen. Auch Gotland wurde 1288 durch einen Vertrag an Schweden gebunden.
Der Beginn des 14.Jahrhunderts war durch Thronkämpfe innerhalb der Königsdynastie der Folkunger geprägt. Dies führte zu einer Stärkung des Hochadels und in weiterer Folge zu Konflikten zwischen König und Reichsrat beziehungsweise der Ratsaristrokratie. König Birger Magnusson wurde 1317 vertrieben und sein Nachfolger Magnus Eriksson wurde 1363 abgesetzt. Auch der 1363 gewählte Albrecht von Mecklenburg wurde 1389 gestürzt, nachdem er versucht hatte, die Königsmacht zu stärken.
Kalmarer Union (1389 - 1523)
1388 wurde die dänische Königin Margaretha von einer aufständischen Adelsfraktion als schwedische Herrscherin anerkannt. Nach dem Sieg über Albrecht im Jahr danach wurden Dänemark, Norwegen und Schweden unter einem Regenten vereinigt. 1397 wurde Margarethas Neffe Erich von Pommern zum König der drei Reiche gekrönt und die Kalmarer Union errichtet. Sie bestand bis 1523, auch wenn sie selten funktionierte.
Margarethas und Erichs Politik zielte auf eine Begrenzung und Zurückdrängung der Adelsmacht. Der Reichsrat wurde entmachtet und eine zentralisierte, von Dänemark ausgehende Verwaltung mit hauptsächlich dänischen und deutschen Vogten aufgebaut. Dies führte ? unterstützt von den Bauern, denen neue umfassende Steuern auferlegt worden waren ? zum Engelbrekt-Aufstand 1434-36, der mit der Absetzung und Vertreibung des Königs endete.
Die folgenden Jahrzehnte waren chaotisch und geprägt von inneren Kämpfen und häufigem Regierungswechsel. Die politische Macht lag bei der Ratsaristokratie, die aber zutiefst zwischen Befürwortern und Gegnern der Kalmarer Union gespalten war. Zu gewissen Zeiten waren die Unionskönige auch in Schweden anerkannt. Dazwischen regierten der schwedische König Karl Knutsson (1448-57, 1464-65 und 1467-70) beziehungsweise schwedische Reichsverweser.
In diesen Auseinandersetzungen entstand ein starkes schwedisches Nationalgefühl, das sich auch im Geistesleben bemerkbar machte. So wurde 1477 die erste schwedische Universität in Uppsala gegründet und gegen Ende des 15. Jahrhunderts erschienen die ersten gedruckten Bücher in schwedischer Sprache.
Der Konflikt mit den Unionskönigen und der inneren Opposition kulminierte unter dem Reichsverweser Sten Sture dem Jüngeren, der zwischen 1512 und 1520 regierte. Kristian II. besiegte seine schwedischen Widersacher 1520 und ließ im November desselben Jahres etwa hundert Oppositionelle im sogenannten Stockholmer Blutbad hinrichten. Dies führte zum Aufruhr des Gustav Eriksson (Wasa), der 1521 zum Reichsverweser ernannt wurde, und dem endgültigen Zusammenbruch der Kalmarer Union.
Die Wasa-Zeit (1523 - 1611)
Gustav Wasas Aufruhr wurde aktiv von Lübeck unterstützt und mit dessen Hilfe konnte er 1523 Stockholm einnehmen. Noch im gleichen Jahr wurde er zum König gekrönt. Die Beziehungen zu Dänemark entschärften sich, da Kristian II. dort ebenfalls abgesetzt wurde. Die Abhängigkeit von Lübeck konnte 1533 endgültig abgeschüttelt werden.
Innenpolitisch hatte Gustav Wasa das Ziel, die Zentralmacht zu stärken. Der erste entscheidende Schritt dazu war die Ratsversammlung in Västerås 1527, bei der die alte Ratsfront aufgelöst und die weltliche Macht der Bischöfe gebrochen wurde. Es wurden auch die ersten Schritte zur Reformation eingeleitet, die in den 30er Jahren zur Trennung von der katholischen Kirche führten. Die Konfiszierung der kirchlichen Güter-- die etwa ein Fünftel des gesamten Grundbesitzes ausmachten, führte zu einer entscheidenden Stärkung der königlichen Finanzen. Gleichzeitig wurde die Grundlage für eine zentrale Administration gelegt, die nach ausländischem Vorbild in den Jahren 1538-42 modernisiert wurde,und ebenfalls das Steuerwesen wurde neu geordnet. Dies führte zu gewaltsamen Aufständen, die im Dacke-Aufstand von 1532 kulminierten. Weitere wichtige Schritte auf dem Weg zur Zentralisierung waren der Reichstag von Västerås 1544, bei dem das Wahlkönigtum durch das Erbkönigtum ersetzt wurde, und die Erneuerung der Landesverteidgung.
Nach dem Tode Gustav Wasas 1560 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen seinen Söhnen. Zuerst wurde der älteste Sohn Erik XIV. König. Er wurde 1568 von seinen Brüdern Johan und Karl gestürzt und starb im Gefängnis, wahrscheinlich durch Giftmord. Sein Nachfolger war sein Bruder Johan III., dessen Sohn Sigismund polnischer und 1592 auch schwedischer König wurde. Da Sigismund aber Katholik war und man fürchtete, dass er die Gegenreformation unterstützen werde, wurde der lutherische Glauben auf der Versammlung von Uppsala 1593 vom Reichsrat und der Priesterschaft als Staatskirche eingeführt. Im Jahr danach leitete Herzog Karl, Sigismunds Onkel, den Machtkampf ein, der 1599 zur Absetzung Sigismunds führte und zur Krönung Karls 1604. Dies führte zu bitteren Auseinandersetzungen zwischen Schweden und Polen.
Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war vom Kampf um die Herrschaft über das Baltikum geprägt. Der Zusammenbruch des Deutschen Ordensstaates führte zu einem Wettrennen um die Herrschaft über dessen Gebiete. 1561 stellte sich Estland unter schwedischen Schutz. In den folgenden Jahrzehnten kam es zu einer Reihe von Kriegen mit den Nachbarn Dänemark, Lübeck, Polen und Russland, vom Ersten Nordischen Krieg (1563-1570) bis zum Kalmarkrieg (1611-1613).
Schweden als Großmacht (1611 - 1719)
1611 übernahm der erst 17-jährige Gustav II. Adolf nach dem Tode seines Vaters die Herrschaft. Ihm gelang es, die Ostseepolitik fortzuführen und Ingermanland und Kexholm (das Gebiet westlich und nördlich des Ladogasees) sowie Livland zu erobern, bevor er sich 1630 Deutschland, das sich im Dreißigjährigen Krieg befand, zuwandte.
Diese Erfolge waren durch eine innere Reorganisierung möglich geworden. Beim Regierungsantritt wurden durch eine königliche Erklärung Reichsrat und Reichstag politische Mitspracherechte eingeräumt. Der Reichsrat bekam eine deutliche Rolle im Rahmen der Regierung, und in Fragen um Krieg und Frieden, Steuern und Aushebungen wurden die Beschlüsse des Reichstages eingeholt. Die vier im Reichstag vertretenen Stände spiegelten die Gesellschaftsstruktur dieser Zeit wider: Der Adel, der 1612 umfassende Privilegien bekommen hatte, hatte das Monopol auf allen höheren Ämter. Gleichzeitig war diese Standesgrenze durchlässig, sodass sich die Anzahl der Adligen durch Neuadelungen im 17. Jahrhundert verfünffachte. Der geistliche Stand spielte in einer Staatsideologie, in der Kirche und Staat eng verschmolzen war, eine wichtige Rolle. Das Bürgertum erlangte im Rahmen der merkantilistischen Wirtschaftpolitik eine wachsende Bedeutung. Dass zuletzt auch die Bauern als vierter Stand im Reichstag vertreten waren, war in Europa einzigartig, und lässt sich historisch damit erklären, dass es in Schweden nie hörige oder leibeigene Bauern gegeben hatte und mehr als ein Drittel des Grundbesitzes in der Hand freier Bauern war. Sie spielten, vor allem durch ihre lokalen Institutionen, in Steuerfragen und in Fragen der Aushebung von Soldaten, die ja zum größten Teil aus Bauernfamilien kamen, eine wichtige Rolle. Ein ständiger Dialog zwischen Regierung und Regierten erklärt den inneren Frieden trotz zunehmender Belastungen aufgrund der zahlreichen Kriege.
Die Vision von einer Großmacht Schweden fand ihren Niederschlag auch in anderen Bereichen, vor allem im Bildungsbereich. Die Universität Uppsala, die nach der Reformation stagniert hatte, wurde nun aktiv gefördert, gleichzeitig wurden bis 1668 drei weitere Universitäten gegründet. In jeder Bischofsstadt wurde ein Gymnasium gegründet und der Analphabetismus nahm deutlich ab. Die Reichsverwaltung wurde ausgebaut und die regionalen und lokalen Organe der zivilen und militärischen Verwaltung wurden vereinheitlicht. Teile dieses Verwaltungssystems bestehen heute noch.
Das größte Problem für die Großmachtspolitik war die schwache Bevölkerungsbasis. 1625 hatte das Königreich etwa 1,1 Millionen Einwohner, wovon 800.000 im schwedischen Kernland, doch reichte das weder als Steuerbasis noch als Rekrutierungsunterlage für das Heer. Daher wurde eine merkantilistische Handels- und Wirtschaftspolitik mit starker Exportorientierung betrieben und die Einwanderung von ausländischen Fachkräften und der Zuzug ausländischen Kapitals (vor allem aus den Niederlanden und aus Deutschland) aktiv gefördert. Schweden entwickelte sich zum größten Exporteuer von Schmiedeeisen und Kanonen. Kupfer und Holzprodukte waren weitere wichtige Exportprodukte.
Die Außenpolitik richtete sich nach dem Erwerb des Baltikums und der russischen Küstengebiete auf Deutschland. Die kaiserlichen Truppen hatten die Ostsee erreicht, und der Eintritt Schwedens in den Krieg konnte vor dem Reichstag, der schließlich seine Zustimmung gab, als präventiver Verteidigungskrieg dargestellt werden. Als Schweden 1630 in Pommern einfiel, hatte es keine Verbündeten, aber ein Subsidiarvertrag mit Frankreich 1631 verbesserte die Lage. Der Sieg bei Breitenfeld im selben Jahr war ein Wendepunkt. Die politischen Ziele wuchsen mit den Erfolgen, aber der Tod Gustavs II. Adolf bei Lützen 1632 veränderte die Lage. Dennoch setzte Schweden unter dem Reichskanzler Axel Oxenstierna (die Tochter Gustavs II. Adolf war erst sechs Jahre alt) den Krieg fort. 1643-45 bekriegte man Dänemark und bekam im Frieden von Brömsebro die Provinzen Gotland, Jämtland, Härjedalen und Halland, während der Westfälische Friede von 1648 zum Erwerb von Bremen-Verden(siehe auch Burg Bederkesa), Wismar, Vorpommern und anderen Gebieten führte. Ein weiterer Krieg gegen Polen, eingeleitet 1644, dem sich auf Feindesseite Dänemark und Russland anschlossen, wurde 1658 siegreich beendet, und im Frieden von Roskilde kamen unter anderem die Provinzen Bohuslän, Schonen und Blekinge unter schwedische Herrschaft. Noch im selben Jahr wurde der Krieg wieder aufgenommen, aber als der König Karl X. 1660 plötzlich starb, bemühte sich die Vormundschaftsregierung für dessen Sohn Karl XI. um einen Friedensschluss.
In den folgenden zwölf Jahren versuchte Reichskanzler Magnus Gabriel De la Gardie, die politische Lage zu stabilisieren und die katastrophale finanzielle Lage des Reiches zu sanieren. Mit dem Regierungsantritt des jungen Königs Karl XI. aber gab Schweden die vorsichtige Außenpolitik auf und wurde in den Schonischen Krieg (1674-79) gezogen. Es zeigten sich dabei deutliche Schwächen bei Heer und Flotte. Dies führte zu einer umfassenden Reorganisation in Schweden. Zuförderst wurde die Einziehung der in den letzten Jahrzehnten an den Adel vergebenen Güter beschlossen ? der Adel hatte seinen Grundbesitz im 17. Jahrhundert verdreifacht! , die Reorganisation der Militärmacht wurde dem König allein übertragen, wie auch die Gesetzgebung und Außenpolitik, die bis dahin beim Reichstag gelegen hatten. Der König wurde zum Alleinherrscher, der Reichstag hatte nur mehr eine beratende Funktion. Dass dies ohne einen größeren Machtkampf mit dem Adel möglich war, beruhte auf der Unterstützung des Königs durch die Bauern und Bürger, die eine effektive und starke Königsmacht der Oligarchie vorzogen, wie auch durch den niedrigen Dienstadel und die Offiziere, die in der neuen Militärorganisation eine sichere Einkommensquelle sahen.
In der folgenden Friedenszeit konnte sich Schweden erholen, aber 1700 eröffneten Dänemark, Polen und Russland den Dritten Nordischen Krieg (1700-21), der nach anfänglichen schwedischen Erfolgen schließlich zum Zusammenbruch der Großmacht führte. Das Baltikum und beinahe alle anderen Gebiete südlich der Ostsee gingen verloren.
Die Freiheitszeit (1719 ? 1772)
Nach dem Tod von Karl XII. nützten die Stände unklare Thronfolge-Verhältnisse, um in den Jahren 1719/20 eine neue Verfassung durchzusetzen, die dem Reichstag die alleinige Gesetzgebung übertrug. Der Reichstag setzte sich nach wie vor aus den vier Ständen (Adel, Priester, Bürger und Bauern) zusammen. Da im Reichstag das Mehrheitsprinzip galt, das heißt dass ein Beschluss nur dann gefasst werden konnte, wenn drei der vier Stände dafür stimmten, entwickelte sich eine lebhafte politische Aktivität, die an den modernen Parlamentarismus erinnert. Doch fehlte ein grundlegendes Demokratieverständnis. Politische Gegner wurden manchmal ins Gefängnis geworfen und Hinrichtungen kamen auch vor.
Mit der Zeit entwickelten sich zwei politische Gruppierungen, die sog. Hüte und Mützen. Die Hüte, eine aristokratische Partei, vertraten eine merkantilistische Wirtschaftspolitik mit aktiver Förderung von Manufakturen und des Exports sowie eine revanchistische Außenpolitik gegen Russland mit Unterstützung Frankreichs. Die Mützen, antiaristokratisch ausgerichtet, nahmen die Interessen der Landwirtschaft wahr und betrieben eine vorsichtige Außenpolitik, die einen Ausgleich mit Russland und eine Annäherung an England suchte. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts waren meist die Hüte an der Macht und sie verwickelten Schweden auch in zwei Kriege.
In dieser Zeit kamen die Ideen der Aufklärung nach Schweden. Die Pressefreiheit und das Öffentlichkeitsprinzip wurden eingeführt und fachten die politische Debatte zusätzlich an. Die neue Freiheit führte zu einem Aufbruch im Bereich der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Literatur.
Der Merkantilismus dominierte die Wirtschaftspolitik. Dem Außenhandel wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet, und daher wurde auch 1731 eine schwedische Ostindienkompagnie gegründet. Weiters wurde auch eine staatliche Förderung für Manufakturen eingerichtet, um die Importabhängigkeit des Landes zu vermindern. Das wichtigste Exportprodukt war nach wie vor Eisen, das in mehreren hundert Hüttenwerken auf dem Land verarbeitet wurde.
Auch in der Landwirtschaft setzten sich neue Ideen durch und landwirtschaftliche Reformen, wie die Zusammenlegung von Streubesitz, führten zu einer Verbesserung der wirtschaftliche Lage der Landbevölkerung. Darüberhinaus gelang es den Bauern, sich in den politischen Auseinandersetzungen im Reichtag zu formieren und eine starke politische Stellung zu erreichen. Gegen Ende der Freiheitszeit wurden sie zur treibenden Kraft im Reichstag.
Die Gustavianische Epoche (1772 - 1809)
Gustav III. hatte 1771 den Thron bestiegen, der zu diesem Zeitpunkt nur mehr repräsentative Funktionen hatte. 1772 putschte Gustav III. gegen den Reichstag und erzwang eine neue Verfassung,die dem König die Regierungsmacht übertrug, während sie die Macht des Reichstages stark beschränkte. Der König, der von sich behauptete, über den Partei- und Standesstreitigkeiten zu stehen, stützte sich aber auf den Adel, während er in seiner Wirtschaftspolitik der sparsamen und liberalen Politik der Mützen folgte.
Eine Reihe von Reformen wurden durchgeführt, unter anderem versuchte er, ein Branntweinmonopol einzuführen, Krankenhäuser wurden gebaut und Kreisärzte angestellt und die ersten kommunalen Armenhäuser entstanden. Doch war Gustaf III. vor allem am Kulturleben interessiert. 1786 gründete er die Schwedische Akademie nach dem Vorbild der französischen Académie Française, er ließ ein Opernhaus errichten und förderte die bildenden Künste und die Architektur. In dieser Zeit entstand auf den Gebieten der Innenarchitektur, der Möbeltischlerei und der Silberschmiede ein eigener Stil in Schweden, der gustavianische Stil.
Doch für die politische Opposition kamen harte Zeiten. 1774 wurde die Pressefreiheit eingeschränkt, und weder Politik noch Staatskirche und Religion durften diskutiert werden. Gustavs Regierungsstil wurde immer autoritärer und als sich der Adel, der sich seines Einflusses beraubt sah, am Reichstag von 1786 gegen den König wandte, führte Gustav III. das Land in einen Krieg gegen Russland (1788-1790), um seine innenpolitische Position zu stärken. Aus Unzufriedenheit mit dem Krieg kam es zu einer Meuterei von mehr als hundert, vorwiegend adeligen Offizieren an der Front in Finnland. Gustav III. verstand, diese Meuterei und den daraufhin aufflammenden Royalismus auszunutzen, um mit Hilfe der nichtadeligen Stände eine absolutistische Staatsform einzuführen. Gleichzeitig wurden die Adelsprivilegien weitgehend abgeschafft. Die Opposition gegen den König wurde nun im Untergrund fortgesetzt und 1792 wurde bei einem Maskenball ein Schussattentat auf Gustav III. verübt, dem er zwei Wochen später erlag.
Sein Sohn Gustav IV. Adolf folgte ihm auf den Thron. Er war ein Gegener der französischen Revolution und schloß sich der antifranzösischen Koalition an. 1807 verließ Russland die Koalition und schloss ein Abkommen mit Napoleon, worauf es 1808 Schweden angriff. Die russischen Truppen besetzten rasch Finnland und die Küste Norrlands bis Umeå. Die schwedischen Mißerfolge führte zur Absetzung des Königs 1809 und im Frieden von Fredrikshamn musste Schweden Finnland, Åland und den östlichen Teil Västerbottens bis zum Fluss Torne älv an Russland abtreten.
Das 19. Jahrhundert (1809 - 1906)
Auf dem Reichstag von 1809 wurde beschlossen, Gustav IV. Adolf und seine Nachkommen von der Thronfolge auszuschließen. An dessen Stelle wurde sein Onkel Karl zum König gewählt, aber erst nachdem er einem neuen, vom Reichstag beschlossenen Verfassungsgesetz zugestimmt hatte. Der neuen Verfassung lag der Gedanke der Gewaltenteilung zugrunde, auch wenn noch nicht von einem parlamentarischen System gesprochen werden kann. Der König hatte noch immer Gesetzgebungsgewalt und auch die ständische Einteilung des Reichstags blieb erhalten. Doch wurden die bürgerlichen Grundrechte definiert.
Da Karl XIII aber alt und ohne Erben war, wurde auch ein Thronfolger gewählt. Die Wahl fiel auf den dänischen Prinzen Kristian August, der aber 1810 bei einem Reitunfall starb. In einer neuerlichenWahl wurde schließlich Jean Baptiste Bernadotte, ein französischer Marschall, zum Thronfolger gewählt. Im Herbst desselben Jahres kam er nach Schweden und übernahm die Regierungsgeschäfte, auch wenn er erst 1818, nach dem Tode Karls XIII., als Karl XIV. Johan gekrönt wurde.
Er leitete seine Regierung mit einer völligen Neuorientierung der Außenpolitik ein, nämlich von der Vergangenheit im Osten in eine Zukunft im Westen. In einem Übereinkommen mit dem russischen Zar Alexander 1812 verzichtete er auf Finnland. Schweden nahm daraufhin am Feldzug gegen Napoleon teil und wandte sich dann gegen Dänemark, das 1814 gezwungen war, im Frieden von Kiel Norwegen im Austausch für Schwedisch-Pommern an Schweden abzutreten. Als daraufhin Norwegen seine Unabhängigkeit erklärte, erzwang Karl XIV. Johan durch einen kurzen Feldzug die Gründung der schwedisch-norwegischen Union. Nach diesem letzten Krieg führte er eine konsequente Friedenspolitik, die zur Grundlage der schwedischen Neutralität wurde.
Die napoleonischen Kriege hatten Schwedens Wirtschaft hart getroffen, was zu wirtschaftlicher Stagnation und tiefgreifenden Krisen führte. Schweden war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein ausgesprochener Agrarstaat, die Industrialisierung setzte erst spät ein. Die größten Reformen erfolgten auch im landwirtschaftlichen Bereich, wo umfassende Flurbereinigungs- und Parzellierungsverordnungen sowohl die wirtschaftliche Situation als auch die bäuerliche Kultur drastisch veränderten. Im industriellen Bereich, der von den zahlreichen Hüttenwerken dominiert war, führten neue Technologien und die Konkurrenz vor allem aus England zur umfassenden Stilllegungen. Ein großes Infrastrukturprojekt war der Bau des Göta-Kanals, der die Ostsee mit dem Kattegatt verbinden sollte, sich aber schon kurz nach seiner Einweihung als veraltet erwies.
Dagegen erlebte Schweden eine Blütezeit im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. 1842 wurde in einer Schulreform der obligatorische Schulbesuch eingeführt und Volksschulen in jeder Gemeinde vorgeschrieben.
Zwischen 1815 und 1850 stieg die Bevölkerungszahl von 2,5 auf 3,5 Millionen. Das Bevölkerungswachstum erfolgte vor allem auf dem Lande, auf dem 1850 noch 90% der Bevölkerung lebte und führte zu großen sozialen Problemen. Eine Lösung bot die Auswanderung, die um 1840 vereinzelt begann, um 1860 richtig einsetzte und 1880 ihren Höhepunkt erreichte und erst ab 1900 ausebbte. In dieser Zeit verließen ungefähr 1,2 Millionen Schweden das Land.
Nach dem Tode Karls XIV. Johan 1844, der innenpolitisch eine streng konservative Politik betrieben hatte, öffnete sich die Möglichkeit der Liberalisierung, zumindest im wirtschafts- und sozialpolitischen Bereich. Schrittweise wurden unter Oscar I. und seinem Nachfolger Karl XV. das Wirtschaftsleben liberalisiert und Sozialreformen durchgeführt. In einer Verfassungsreform 1865-66 wurde auch der Vierständereichstag durch ein Zweikammernparlament ersetzt.
Ab 1870 begann der Durchbruch der Industrialisierung. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes und neue Technologien in der Stahlerzeugung ermöglichten die Nutzbarmachnung neuer Erzfunde in Norrland. Gleichzeitig erlebte die Holzindustrie einen Höhepunkt und es entwickelte sich eine ansehnliche Papier- und Zellstoffindustrie. Neue Erfindungen führten zur Gründung von Unternehmen im Maschinenbau- und Elektrobereich (wie beispielsweise L.M. Ericsson, ASEA, Bofors, SKF, AGA). Gleichzeitig erlebte aber die Landwirtschaft eine schwere Krise.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Umwandlung vom Agraland zur Industriegesellschaft. Die Einwohnerzahl stieg von 3,5 Millionen (1850) auf 5,1 Millionen (1900). Die Bevölkerung war zu großen Teilen nicht wahlberechtigt, aber es entstanden nun die großen Volksbewegungen, die auch heute noch einen deutlichen politischen Einfluss haben: die freikirchliche Erweckungsbewegung, die Abstinenzbewegung und die Arbeiterbewegung.
In der Außenpolitik führte die Thronbesteigung Oscar II. 1872 zu einer Umorientierung von der traditionellen Freundschaft mit Frankreich zu einer immer deutlicher werdenden Annäherung an Deutschland, was sich im Militärwesen, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft und im Kulturleben zeigte. Das schwierigste außenpolitische Problem aber waren die Beziehungen zu Norwegen, in dem sich immer stärker werdende Unabhängigkeitsbestrebungen bemerkbar machten und das schließlich in die Auflösung der Union 1905 mündete.
Der Durchbruch der Demokratie (1907 - 1920)
Zwar war 1865 der mittelalterliche Ständetag durch einen Zweikammernreichstag ersetzt worden, doch waren nur etwa 20% der männlichen Bevölkerung wahlberechtigt, da nur die zweite Kammer, und die nach einem Zensuswahlrecht gewählt wurde. Eine außerparlamentarische Wahlrechtsbewegung entstand in den 1880er Jahren, getragen von den Sozialdemokraten und den Liberalen. Die Einführung der Wehrpflicht wurde zum stärksten Argument. Das Schlagwort "Ein Mann, eine Stimme, ein Gewehr" machte tiefen Eindruck auch auf die Konservativen. In einer Wahlrechtsreform wurde schließlich 1907 das Allgemeine Wahlrecht für Männer (mit gewissen Beschränkungen) für die Zweite Parlamentskammer eingeführt und auch die Erste Kammer wurde teilweise demokratisiert. Die Klassengegensätze waren jedoch groß und der Generalstreik von 1909 vertiefte den Graben zwischen Sozialdemokraten und Liberalen beziehungsweise Konservativen.
