Val Grande
Steinpilze Canyons und verlassene Dörfer am Lago Maggiore
Gewaltige Wasserfälle stürzen lautstark in tief eingeschnittenen Täler hinab die Vegetation ist üppig und vielfältig. Die Ureinwohner hatten wohl stramme Waden eine Berg- und Talbahn. Buchenwälder wechseln sich mit Kastanienhainen ab duftende Pilze schießen aus dem Boden und beeindruckende Felskulissen ragen nahe reißender Bergflüsse in den Himmel Piemonts. Eine Wanderung durch das Val Grande dem "Großen Tal" am Lago Maggiore in Italien.
Ob stramme Waden oder nicht die ehemaligen Bewohner des ?Großen Tals Val Grande verließen ihre Heimat um ihr bäuerliches Leben an anderen Orten weiterzuführen. An Orten wo es leichter war den gewünschten Ertrag zu erzielen. Auch heute noch ist die Anreise in das Tal am Lago Maggiore in Italien beschwerlich. Gut 16 Kilometer schlängelt sich vom Verbania am Lago Maggiore ein Asphaltband in den Nationalpark. Spätestens ab Rovegro beginnt die romantische Bergeinsamkeit. Eine Gruppe restaurierteralter Chalets dann zeigt der Park was er zu bieten hat. Aus einem Natursteintunnel gelangt man auf eine alte Stahlbrücke (Ponte di Casletto) die über eine canyonartige Schlucht führt. Impressionen wie im Hochgebirge dabei sind die umliegenden Gipfel nur knapp 2.000 Meter hoch. Selbst Kleinwagenlenker haben bei Dunkelheit Zweifel ob sie die Steigung und die scharfen Serpentinen noch schaffen. Cicogna das letzte bewohnte Dorf ist am weitesten im Park gelegen. Eine Bar mit gutem Essen. Eine etwas unkomfortable Variante bietet die selbstorganisierte Biwak-Übernachtung auf dem Hubschrauberlandeplatz in der Nähe. Hier werden Wanderer über Nacht geduldet wer am Tag noch dasteht riskiert einen Strafzettel der Corpo Forestale dello Stato. Der Ausblick von Cicogna auf die bewaldeten Hänge und Höhen ist fantastisch reicht aber nur etwa bis zu den Gestaden des Lago: Wer weiter sehen will muss höher hinaus dafür bieten sich zahlreiche Möglichkeiten.
Aufstieg am Lago
Eine Variante: Bis zur Alpe Prà (wo ein ?Casa dell?Alpino? in 1.250 Meter Höhe steht) geht es fast nur bergauf. Hier und da taucht eine Ruine auf den zerrütteten Terrassen zwischen den Kastanienbäumen auf. Der letzte Anstieg erfolgt auf einem steinernen "Hexenstieg". Zur Belohnung präsentiert sich ein Panoramablick auf den Lago. Wie auf der Alpe Prà befinden sich an den alten Orten des Parks meist authentische Biwakhütten die umsonst benutzt werden können. In den unteren Höhenlagen sind Trinkwasserquellen auch leicht zu finden einzig wer in die baumlosen Zonen hinauf will sollte sich unterwegs bevorraten. Von der Alpe Prà geht es abwärts in einen Buchenwald hinein duftenden Wiesenränder einige verlassene Siedlungen. Bis auf einmal der Geruch von frischen Pilzen in die Nasen steigt. Es sind die wohlschmeckenden ?Porcini? der leckere Steinpilz der Region. An dem großen verborgenen Wasserfall von Caslù vorbei immer noch den Buchenwald durchquerend erreicht man schließlich das in einer Wiesenmulde gelegene Pogallo (777 Meter). Früher war es das wichtigste Dorf im Val Grande. Hier gab es eine Arztpraxis eine Schule und sogar eine Polizeistation ? aus heutiger Sicht kaum vorstellbar bedenkt man den beschwerlichen Weg vom See bis hierher.
Carlo Sutermeisters technische Innovationen
Alles ist eng mit dem Namen Carlo Sutermeister verbunden. Der Schweizer Ingenieur und Baumeister brachte etliche technische Innovationen in das abgelegene Tal. Eine Holz-Schwebebahn die teilweise mit elektrischem Strom betrieben wurde den Sutermeister aus Wasserkraft produzierte und die schon 1882 die Orte Indra Pallanza mit Strom belieferte. Das war nicht nur eine italienische sondern auch eine europäische Neuheit. Leider trugen seine Erfindungen auch zum Kahlschlag des Val Grande bei. Ein Großteil des Holzes für den Bau des Mailänder Doms stammt von hier. Der Wald hat sich aber prächtig erholt und der Park ist 1992 zu Italiens größtem Wildnisgebiet erklärt worden. Davor war das Val Grande fast 50 Jahre sich selbst überlassen. Terrassen mit verwilderten Wegen wurden überwuchert. In seinem tiefsten Inneren liegt ein ?Riserva Integrale? das auch heute nur von den Rangern des Parks betreten werden darf. In nördlicher Richtung zweigt der Weg nach Pian di Boit entlang des Rio Pianezzol ab. Gleich zu Anfang trifft man auf mehrere Naturschauspiele. An der Einmündung des Rio Pianezzol tut sich eine enge Schlucht auf die steilen Felsflanken drohen nahe der Brücke beinahe zusammenzukippen. Unten in der Tiefe sprudelt dabei unaufhörlich das hellgrüne Wasser. Mehrfach wird der reißende Fluss teils auf neuen Brücken überquert dann folgt ein Bogen durch dichten Wald bis man nach 2-5 Stunden die Ebene des Pian di Boit (1.122 Meter) erreicht.
Abwärts nach Cicogna
Der Weg von Pian di Boit nach Cicogna ist abwärts an einem halben Tag zu schaffen. Sehr zu empfehlen ist die Passage zwischen Pogallo und Cicogna entlang der alten ?Strada del Sutermeister?. Dieser Weg ist hervorragend markiert und von Cicogna aus sogar familientauglich. Am Wegesrand trifft man des öfteren auf Info-Tafeln zu Kultur Flora und Fauna des Val Grandes. In den ?Tiefen des Parks? kann das auch mal anders aussehen wenn es selbst an den nötigsten Markierungen fehlt. Entlang an tosenden Wasserfällen und quietschgrünen Wasserbecken und immer wieder an steilen Felswänden geht es zurück zum Ausgangspunkt Cicogna. Die Zielgerade ist dann ein breiterer Weg ohne große Steigungen im harmonischen Kastanienwald. In einer Kehre unter Cicogna gibt es wieder auf bewohnte Behausungen und ein schwarzes Asphaltband.
Praktische Tipps zum Val Grande.
Autor: Markus Golletz
