Geschichte des Ruhrgebiets
Geschichte des Ruhrgebiets
Das Symbol des Bergbaus: "Schlägel und Eisen" Die Region, die heute als Ruhrgebiet bezeichnet wird, war Ende des 18. Jahrhunderts landschaftlich vergleichbar mit dem Münsterland und dem Niederrhein ? einzelne Städtchen und kleine Dörfer, die vor allem durch die Landwirtschaft geprägt wurden.
Industrialisierung
Anfang des 19. Jahrhunderts waren Duisburg und Dortmund die größten Städte mit mehr als 5.000 Einwohnern. Zur selben Zeit lebten in der Munizipalität Mülheim an der Ruhr im Süden der Region bereits mehr als 11.000 Menschen. Gelsenkirchen und Herne im nördlich gelegenen Emscherland dagegen hatten zu dieser Zeit lediglich einige hundert Einwohner. Kohle wurde zwar schon im 13. Jahrhundert abgebaut ? jedoch kann man dabei nicht von Bergbau, sondern eher von Kohlengräberei sprechen. Mit dem wirtschaftlichen Abbau der Kohle ab Anfang des 19. Jahrhunderts entlang der Ruhr begann für das Ruhrgebiet die Industrialisierung. Frühe Kerne der Industrialisierung bildeten einzelne Eisenhütten (St. Antony-Hütte ab 1758 in Oberhausen-Osterfeld; Gutehoffnungshütte ab 1782 in Oberhausen-Sterkrade und Eisenhütte Neu-Essen ab 1791 in Oberhausen-Lirich). Hier entstanden wichtige frühe Technologien der Eisenerzeugung und Maschinen, die den wirtschaftlichen Abbau der Kohle förderten.
Innerhalb weniger Jahre entstanden über 220 Zechen, bis 1850 waren es fast 300. Aus der Kohle wurde vor allem in Kokereien Koks gewonnen, welches in den Hochöfen der angesiedelten Eisen- und Stahlhütten zur Roheisen- und Stahlerzeugung benötigt wurde. Noch bevor die Kohlevorkommen entlang der Ruhr erschöpft waren, entstanden weiter nördlich neue Zechen. Der Ruhrbergbau wanderte, den Flözen in die Tiefe folgend, von Süden nach Norden, von der Ruhr an die Emscher und schließlich zur Lippe. Laut Veröffentlichungen von Prof. Dr. Roland Günter hat es insgesamt etwa 3.200 einzelne Zechen im Ruhrrevier gegeben.
Die Erschließung des Ruhrgebiets als Lieferanten für Kohle und Stahl für die aufstrebende Industrie förderte die Gründung vieler Eisenbahngesellschaften. Siehe hierzu: Eisenbahngeschichte im Ruhrgebiet
Aufgrund der wirtschaftlichen Expansion wurden Arbeitskräfte angeworben. Die Bevölkerungszahlen stiegen explosionsartig. Die alten Städte am Hellweg erwachten zu neuer Blüte. Vormalige Dörfer entlang der Emscher entwickelten sich zu Großstädten. Qualifizierte Facharbeiter der Bergwerke wurden vielfach in Arbeitersiedlungen, sogenannten Zechenkolonien, untergebracht. Der Ruhrkohlenbezirk wuchs zum größten industriellen Ballungszentrum Europas an.
Strukturwandel
Seit Beginn der Kohlekrise im Jahr 1958 befindet das Ruhrgebiet sich in einer anhaltenden Phase des Strukturwandels, der von großen wirtschaftlichen Anpassungsschwierigkeiten gekennzeichnet ist. Die Industriezweige, auf die sich das Ruhrgebiet begründete, Steinkohleförderung und Stahlindustrie werden rar: Es gibt nur noch 7 fördernde Bergwerke, eine Kokerei in Bottrop und ein Rohstahlwerk in Duisburg. In der Ruhr- und Emscherzone der Region sind die Zechen inzwischen stillgelegt. Bergbau findet heute vor allem in den Randzonen des Ruhrgebiets statt, in Kamp-Lintfort am linken Niederrhein, nördlich von Westerholt oder in Haltern. Von Hamm aus hat der Abbau inzwischen das Münsterland erreicht. Die Förderung ist auf wenige Anlagen "Verbundbergwerke" konzentriert. Während dessen sind jüngere Industrien wie Maschinenbau und Elektronik und nichtindustrielle Branchen wie der Dienstleistungssektor noch nicht ausreichend nachgewachsen. Ein wichtiger Schritt vom Produktions- zum Forschungsstandort waren die Neugründungen von Universitäten in Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen.
Opelwerk 1 in Bochum
Als positives Beispiel des Strukturwandels kann man den Bau der drei Automobilwerke des Autoherstellers Opel 1962 in Bochum bezeichnen. Die Werke boten den unter Tage ausgebildeten Schlossern, Elektrikern usw. einen Arbeitsplatz in einer anderen Branche. Allerdings hat mittlerweile auch die Automobilindustrie mit Strukturproblemen zu kämpfen und steht in der Gefahr, zu den "alten Industrien" zu zählen.
Auch die einst angesiedelte Elektroindustrie ist heute ein Problemfall. Blaupunkt in Herne hat bereits 1989 wieder geschlossen, Siemens in Witten wurde 1999 verkauft, das Werk steht ebenfalls vor der Schließung. Auch bei Nokia in Bochum kam es 2004 zu Stellenabbau.
Die Internationale Bauausstellung Emscher Park (IBA), die von 1989 bis 1999 im Ruhrgebiet tätig war, unterstützte den Strukturwandel. In ihrem Rahmen wurden ca. zweieinhalb Milliarden Euro in die Region investiert, alte Industriegelände wurden umgenutzt bzw. in Industriemuseen umgewandelt (Emscher Landschaftspark).
Nach wie vor aber gilt das Ruhrgebiet als eine strukturschwache Region. Die Gesamtarbeitslosenquote des Ruhrgebiets ist unter den regionalen Großräumen die höchste der westdeutschen Bundesländer.
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