Köln & Düsseldorf

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Die Farbe des Biers

Hell ist das Kölsch, dunkel ist das Alt. Das sind nicht die einzigen Unterschiede zwischen Düsseldorf und Köln. Auf den Spuren der alten Feindschaft zwischen den beiden Rheinstädten.

Hell ist hier das Kölsch. Die Wände sind mit mittelalterlichen Schriftzeichen und in Fraktur bemalt, das Interieur ist alt aber gepflegt, das Kölsch wird seit 1883 gebraut. Es riecht nach gutem Essen, alten Holz und Bier. Das Kölsch-Karussel dreht sich, aus der Küche rollen mittelalterlich-zünftige Portionen. In der traditionsbewussten Kölschkneipe der Gebrüder Päffgen ist der "Köbes" etwas pikiert: "Es reicht mir schon, wenn ich für den Flughafen nach Düsseldorf muss", sagt der Kellner. "Altbier? Das habe ich noch nie getrunken."

"Das ist alles Selbstzweck"

"Wenn Düsseldorf den Dom kaufen würde...", steht in Riesenlettern an dem Baugerüst vor den Fenstern des Touristenbüros Köln. Das Thema ist ihm irgendwie peinlich, zunächst nur unwillig gibt Jürgen Wendler, Geschichtsexperte bei KölnTourismus seine Meinung und ein paar Fakten kund. "Die Feindschaft ist ja schließlich nur ein Selbstzweck" offenbart er. Und: "Köln und Düsseldorf kann man einfach nicht direkt vergleichen, Köln ist schließlich römischen Ursprungs und Düsseldorf na ja? Bei der Gründung der Bundesrepublik ist leider (!) Düsseldorf zur Landeshauptstadt ernannt worden. Dafür haben die keinen Dom, aber wiederum eine Kunstakademie wie wir!".

Als historische Ursache für den anhaltenden Twist wird gerne die Schacht von Worringen im 13. Jahrhundert bemüht. Sie muss eines der blutigsten Gemetzel des Mittelalters gewesen sein denn elf Parteien traten mit insgesamt 10.00 Kämpfern hier gegeneinander an. Die "Duseldorper" Bauern standen dabei auf der Seite ihres Grafen gegen den Erzbischof von Köln der sich die Grafschaft Berg damals ganz gern unter den Nagel gerissen hätte. Für den Sieg bedankte sich Graf Adolf mit den Stadtrechten. Wer nun glaubt durch die Worringer Schlacht sei auch die leidenschaftlich gepflegte Feindschaft zwischen Düsseldorf und Köln erklärt der irrt: In der Worringer Schlacht wurden die Düsseldorfer nämlich von den Kölner Bürgern unterstützt die ihren Erzbischof ebenfalls gern loswerden wollten. Der Erzbischof selber musste sich seine Soldaten aus Luxemburg besorgen.Doch nach Worringen müsse man deswegen nicht auf Spurensuche gehen dort gibt es keinen Platz und keine Gedenktafel die daran erinnern. Anders in Düsseldorf. Verlässt man dort den Bahnhof steht man direkt auf dem Worringer Platz oder trifft an der Düsselmündung bei St. Lambertus auf das "Stadterhebungsmonument" von Bert Gerresheim doch das ist eine andere Geschichte.

"Köln über alles"

Zurück im Hier und Jetzt bleibt zumindest der Karneval ein rheinisches Fest. Niemand sollte aber in Düsseldorfer versehentlich ?Alaaf? schreien-- denn das bedeute ursprünglich "Köln über alles" und käme einem gefährlichen Schlachtruf gleich.
Multikulturell geht es auf der Kölner Domplatte zu geschäftig kreuzen Reisegruppen die großen Freiflächen Züge fahren über die Rheinbrücke und landen im alten Bahnhof von dem man zum mächtigen Dom aufblicken muss. Auf der Rheinpromenade regiert die Entspannung ? wenn nicht gerade mal wieder gebaut wird. Dort wo große Ausflugsdampfer anlegen liegen diejenigen in der Sonne die spät schlafen gegangen sind Polizeipärchen patrouillieren gelassen.

Ein Eisverkäufer mit italienischer Dreirad-Ape auf der Kölner Domplatte stimmt im Bierkonflikt vehement ein: "Wenn ein Außenstehender gleich Kölner und Düsseldorfer beleidigen möchte dann schert er beide über einen Kamm und behauptet einfach das ist doch alles rheinische Kultur." Wer versehentlich das falsche Bier in der falschen Stadt bestellt erntet im besten Fall Gelächter. Es kann aber auch mal einen Kneipenverweis geben. "Dabei trinken die Düsseldorfer wesentlich mehr Kölsch als die Kölner Altbier", sagt zumindest der Eisverkäufer im Brustton der Überzeugung.

Glaubensfrage Bier

Im "Päffgen" klappert immer noch das Geschirr. Hellgoldenes Kölsch aus eigener Herstellung. Das 0--2-Liter-Glas wird immer nachgeliefert solange kein Bierdeckel darauf liegt. Es ist qualmig uhrige Jagdgesellschaften fristen den Wänden ihr Dasein und unter den Füßen knarrt ein dunkler Holzdielenboden. Geselligkeit ist Trumpf jeder gesellt sich zu jedem an den Tisch. Wie das Bier haben sich auch die Bierdeckel im Päffgen seit Generationen nicht verändert: altdeutsche Schrift vor einem grünen Kreis ein bisschen gelblich der Karton, wie das Kölsch.
Dabei hatte doch der KölnTourismus-Fachmann behauptet Kölsch werde in seiner heutigen Form erst seit dem Zweiten Weltkrieg gebraut ."Hier auf unseren Bierdeckeln steht es doch: gebraut seit 1883" entgegnet der Paffgen-Köbes empört und man traut sich nicht ihm zu widersprechen. Verlaufen nun die Streitlinien schon quer durch die eigene Stadt? "Irgendwo bei Leverkusen ist die Grenze die Demarkationslinie", ruft eine Kollegin vom Nachbarschreibtisch herüber. Es gibt da ein paar Unterschiede, auch im Bier, doch die kann keiner so recht erklären. Altbier hingegen ist eben dunkel.

Autor:Markus Golletz