Die Bevölkerung Indiens
Die Bevölkerung Indiens
Indien ist von der Einwohnerzahl her nach der Volksrepublik China und vor den USA der zweitgrößte Staat der Erde.
1947 ging die jahrhundertelange Kolonialherrschaft Großbritanniens über den indischen Subkontinent zu Ende. Es entstanden die Staaten Indien mit 340 Millionen Einwohnern und Pakistan mit 70 Millionen Einwohnern. Flüchtlingsströme von mehr als 15 Millionen Menschen waren die Folge nationalistisch-religiöser Ausschreitungen und Vertreibungen; mehr als eine Million Menschen starben. 1951 lebten im damaligen Gesamtstaat Pakistan circa 13 Prozent Hindus und in Indien circa zehn Prozent Muslime. Hindus und Sikhs waren dabei aus dem damaligen West-Pakistan fast vollständig vertrieben worden, in Ost-Pakistan (dem heutigen Bangladesch) verblieb andererseits ein beträchtlicher Bevölkerungsanteil von Hindus. Die folgenden Konflikte waren somit vorgezeichnet.
Am 11. Mai 2000 überschritt Indiens Bevölkerungszahl offiziell die Milliardengrenze. Während es von 1920, damals hatte Indien 250 Millionen Einwohner, 47 Jahre bis zu einer Verdoppelung der Bevölkerung gedauert hat, waren es von 1967 bis 2000 nur noch 33 Jahre. Das Wachstum der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten nur wenig abgeschwächt und liegt im Moment bei 1,5 Prozent pro Jahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist relativ gering und beträgt für Männer 63 Jahre (1971 waren es 44 Jahre) und für Frauen 64 Jahre (1971 waren es 46 Jahre). In Deutschland sind es zum Vergleich bei Männern 75 Jahre und bei Frauen 81 Jahre. Indien ist damit eines der wenigen Länder der Erde wo die Lebenserwartung bei Männern und Frauen fast identisch ist.
Mit einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von 15 Millionen Menschen hat Indien im Moment den größten absoluten Zuwachs aller Staaten der Erde. Andererseits liegt der zugehörige relative Zuwachs nur wenig über dem Weltdurchschnitt. Aus den Vergleichen mit den anderen bevölkerungsmäßig großen Staaten der Erde (VR China, USA, Indonesien), die alle bedeutend geringere relative Zunahmen haben, wird deutlich, dass der hohe Bevölkerungszuwachs aus dem der kleineren Staaten resultiert. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird Indien in den nächsten Jahrzehnten sein Bevölkerungswachstum kaum abschwächen und die VR China bis zum Jahre 2045 als bevölkerungsreichstes Land der Erde abgelöst haben.
Mehr als ein Fünftel des globalen Bevölkerungswachstums findet zurzeit in Indien statt und die sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die sich daraus ergeben, sind gravierend. Schon heute haben 44 Prozent der Einwohner Indiens laut Angaben der Weltbank weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung und Wasserknappheit gehört schon jetzt zu den größten Problemen des Landes. Eine extreme Binnenmigration, politische Instabilität und eine Stärkung der extremistischen Kräfte können die Folge sein. Nur 16 Prozent der Einwohner Indiens haben Zugang zu sanitären Anlagen und verschmutztes und verseuchtes Wasser ist eine der Hauptursachen für viele Infektionskrankheiten.
Die Versorgungslage hat sich zwar seit Anfang der 1980er Jahre in den ländlichen Gebieten verbessert, doch nur wenige Haushalte verfügen über eine Abwasserentsorgung. Unzureichende Beratung in Fragen der reproduktiven Gesundheit hat zur Folge, dass die Zahl der HIV-Infizierten rapide steigt. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten bis 2010 allein in Indien über zehn Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit leiden. Das Bevölkerungswachstum kann nur dann verlangsamt werden, wenn bedürfnisorientierte Familienplanungsangebote sowie Service- und Beratungsleistungen, die sich an den konkreten Bedürfnissen der Menschen orientieren, angeboten werden.
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