Verkehr in Shenzhen
Verkehr in Shenzhen
Der Verkehr in Shenzhen lässt sich in zwei Bereiche einteilen. Zum einen gibt es den geregelten Verkehr in der Innenstadt, der ähnlich abläuft, wie der Deutsche. Der zweite, wesentlich interessantere Verkehr, spielt sich außerhalb der Innenstadt ab.
Beim geregelten Verkehr in der Innenstadt sind die Fußgänger etwas Freiheitsliebender und nutzen jede kleine Lücke um die Straße zu überqueren. Daher stehen an jeder Ecke von großen Kreuzungen Ordnungshüter, die einen zurückpfeifen, wenn man bei rot gehen möchte. Erstaunlicherweise halten sich die Einwohner auch daran.
Der zweite-- wesentlich interessantere Verkehr spielt sich außerhalb der Innenstadt ab. Hier gilt wirklich "Wer zuerst kommt, malt zuerst"! Dazu gibt es noch unzählige Verhaltensmuster, die ich gar nicht alle aufzählen kann. Insgesamt hatte ich bisher aber viel Spaß beim Zugucken. Leider haben sich noch keine guten Fotogelegenheiten ergeben und ich fürchte, daraus wird auch nichts. Daher versuche ich mal, ein paar Highlights zu erklären.
Wenn man z.B. auf einer 4-spurigen Straße auf eine rote Ampel zufährt und es stehen schon mehrere Auto dort, ordnet man sich halt links von denen auf der Spur des Gegenverkehrs ein und eröffnet eine dritte Reihe. Das führt natürlich dazu, dass ein Nadelöhr entsteht. Durch gleiches Verhalten im Gegenverkehr entstehen so 2 Reihen, die sich direkt gegenüber stehen.
Wenn die Ampel schließlich auf grün umspringt ist eigentlich schon vorprogrammiert, dass der Verkehr eher zäh über die Kreuzung fließt. Dazu kommt noch das Linksabbiegeverhalten. Man sticht sofort diagonal über die Kreuzung ohne den Gegenverkehr abzuwarten. Allerdings bleibt man meistens trotz kräftigen Hupens an den Fußgängern oder jeglichen Zweiradfahrern hängen und staut sich somit zurück auf die Kreuzung. Wenn also etwas mehr Verkehr ist, ist die Kreuzung innerhalb weniger Schaltphasen komplett dicht!
Ein weiteres Highlight ist die "Ordnung" bei Kreuzungen auf 8-spurigen Straßen. Hier hilft eigentlich nur eine Skizze um das zu erklären. Ich habe sie etwas vereinfacht und geordnet mit nur je 2 Spuren dargestellt. Eine Farbe symbolisiert dabei eine Fahrtrichtung.
In Wirklichkeit sind diese Kreuzungen ideal für jeden Chaosforscher. Die Unmengen an Fußgängern, Rad- und Motorradfahren sind noch nicht berücksichtigt. Sofern sich irgendwo eine Lücke bildet, die groß genug ist, stoßen diese natürlich auch vor. Die braunen Linien sind übrigens Zäune. Ohne diese würde sich der das Chaos noch weiter ausbreiten. Da schreckt dann auch kaum jemand mehr davor zurück eine Baustelle, den Radweg oder gar den Fußweg zu benutzen.
Ebenso interessant ist das rechts abbiegen an Kreuzungen ohne Mittelbegrenzung und mit Rückstau. Man fährt eben über die Gegenspur bis nach vorne und kreuzt dann seinen eigenen. Bei roten Ampeln geht es eigentlich auch ganz gut.
Sehr populär ist auch das generelle Fahren auf der Gegenspur. Besonders Radfahrer kommen einem auf einer 4-spurigen Straße mit Mittelbegrenzung gerne entgegen. Meistens auf dem linken und dem rechten Fahrstreifen. Gelegentlich mischen sich auch Fußgänger darunter.
In der Nacht findet man natürlich auch weitere Eigenarten. Zum einen muss man höllisch aufpassen, dass man die Löcher in der Straße sieht. Die Gullideckel fehlen nämlich regelmäßig, was besonders als Zweiradfahrer oder Fußgänger sehr unbequem werde könnte. Zum anderen ist die Sicht meistens sehr schlecht. Das liegt daran, dass man fast immer mit Fernlicht fährt. Der Grund ist einfach. Wenn ich den anderen Blende, sieht er weniger und kann nicht so aggressiv fahren. Dadurch bleibt einem selbst die vielleicht entscheidende Lücke.
Als letztes Beispiel möchte ich noch auf das Schaltverhalten an Kreuzungen hinweisen. Wenn ich vor einer Kreuzung etwas langsamer werde, schalte ich normalerweise runter um dann wieder gut beschleunigen zu können. Hier bleibt man aber in dem hohen (und dann eben zu hohen) Gang bis man seine Lücke hat und schaltet dann erst. Selbstverständlich bremst man auch dann erst, denn alles andere wäre ja ein zurückzucken.
Damit verzögert man den Verkehr natürlich. Dass man das Lenken auch mit einer Hand hinbekommt, ist dabei auch nicht das Problem. Man braucht die "Schalthand" für die Hupe. Irgendwie muss man sich ja ankündigen.
Ich könnte wahrscheinlich noch Stunden so schreiben. Eigentlich kann man sich den ganzen Tag damit vergnügen den Verkehr zu beobachten und hat dabei viel zu lachen. Besonders viel Spaß macht es, wenn man irgendwo mitfährt und somit das Treiben aus nächster Nähe beobachten kann.
