Chinesische Sitten
Eigenarten, Sitten oder doch ganz normal?
In den letzten 2 Monaten hatte ich genug Zeit einige "Feldstudien" über chinesische Angewohnheiten durchzuführen, die ich so aus Europa nicht kenne. Um euch einen weiteren Eindruck von diesem Land zu vermitteln, stelle ich mal ein paar vor.
Hocken:
Die Chinesen scheinen sich gerne hinzuhocken. Fast egal wo man ist, man sieht immer irgendjemanden, der in der Hocke ist und auf irgendwas wartet oder dabei arbeitet. Das für mich unglaubliche ist, dass sie es ewig lange aushalten, ohne dass die Beine wehtun. Erstaunlicherweise "stehen" sie dabei auf der ganzen Fußsole und nicht nur auf den Zehenspitzen. Probiert es mal aus. Aber Vorsicht, es besteht das berechtigte Risiko nach hinten umzukippen.
Das Hinhocken scheint einigen so vertraut zu sein, dass sie sich selbst auf eine Bank hocken, anstelle zu setzen. Außerdem findet man auf den Klobrillen normalerweise Schuhabdrücke, sofern es eine Kloschüssel gibt.
Spucken:
Das Spucken war früher ganz groß in Mode. Mittlerweile scheint sich aber rumzusprechen, dass es nicht sehr hygienisch ist. Ich habe 3 Arten von Chinesen ausmachen können. Die erste Gruppe spuckt überhaupt nicht in der Öffentlichkeit. Die zweite Gruppe, sucht sich dafür wenigstens einen Gulli, Abfluss, Waschbecken, Toilette, Mülleimer o.ä. Die dritte Gruppe kennt eigentlich keine Grenzen. Auf dem Fabrikgelände habe ich schon fast überall Spuren finden können, inklusive der Treppenhäuser. Ich hab auch gesehen, wie in den Bussen einfach auf den Boden gespuckt wurde, was doch irgendwie ekelhaft ist.
Egal welche Gruppe es auch ist, alle haben etwas gemeinsam. Wenn sie ansetzen, dann immer lautstark. Sämtlicher Schleim wird aus dem Rachenraum zusammengezogen um diesen zu reinigen. Auch im Zielspucken würde wohl kaum ein Europäer eine Chance haben. Aus einem halben Meter Entfernung wird mit Leichtigkeit ein 2 Eurostück großes Loch getroffen.
Fingernägel:
Einige Mitarbeiter im Büro tragen lange Fingernägel an den kleinen Fingern. Dabei handelt es sich erstaunlicherweise um ein Statussymbol. Früher hat man die "bessere" Schicht daran erkannt, dass sie relativ weiß im Gesicht war im Vergleich zur sonnengebräunten Landbevölkerung. Nachdem man in den Fabrikhallen nun aber nicht mehr viel Sonne abbekommt, hat die Hautfarbe keine Unterscheidung mehr gebracht. Stattdessen gibt es jetzt die Nägel, da diese bei der Büroarbeit nicht stören in der Produktion jedoch schon.
"Gemeinschaft"
Auf eine Art und Weise sind Chinesen sehr egozentrisch. Z.B. grüßt man sich hier nicht. Jeder kommt morgens an seinen Arbeitsplatz und beginnt mit der Arbeit. Kein Guten Morgen, freundliches Nicken oder der gleichen. Ähnlich sieht es mit dem Essen aus. Man geht allein zum Essen, isst mehr oder weniger alleine und steht auf sobald man fertig ist ohne auf den Tischnachbarn zu warten. Es hält auch fast niemand die Tür auf oder man macht ein wenig Platz, wenn jemand vorbei möchte. Dazu wird überall gedrängelt was das Zeug hält und ohne Rücksicht auf Verluste.
"Kinderklo"
Kinder bis ins Kindergartenalter (schätze ich zumindest) müssen ja schon mal pinkeln. Niemand käme hier aber auf die Idee eine Toilette aufzusuchen. Auf der Straße lässt man es halt laufen, egal wo man gerade ist. In Kaufhäusern heben die Eltern ihre Kinder über die Mülleimer und benutzt diese dann als Kloersatz.
Bei so ziemlich allen Beobachtungen habe ich das Gefühl, dass die "Sitten" weniger ausgeprägt sind, wenn die Person eine höhere Bildung hat und ein westlicher Einfluss zu erkennen ist. Definitiv ausgenommen hiervon ist das Rülpsen. Egal ob zu Tisch, im Bus, auf der Straße oder im Meeting. Es ist ganz normal. Ich finde es aber immer noch ungewohnt, wenn man mit jemandem spricht und dieser, während er redet, einmal kurz aufstößt und weiterredet. Schmatzen und Schlürfen beim Essen ist, wie erwartet ganz normal.
Abschließend bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass alle "Eigenarten" hier ganz alltäglich sind und sie mir wahrscheinlich nur auffallen, weil ich aus einem anderen Kulturkreis komme
