Chinas Bevölkerung

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Chinas Bevölkerung

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Chinas Bevölkerung

China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde und viele seiner Regionen gehören zu den am dichtesten besiedelten der Welt.

In der Geschichte des Landes waren Überbevölkerung und die damit verbundenen Probleme bei der Ernährung der Menschen Ursache für tiefe politische und wirtschaftliche Krisen. Die Volksrepublik China geht deshalb in der Bevölkerungspolitik Wege, die weltweit einzigartig sind und im Inland wie Ausland Kontroversen auslösen.

Bevölkerungsdichte

Die Volksrepublik China weist eine Bevölkerungsdichte von etwa 135 Einwohnern pro Quadratkilometer auf. Diese Zahl für sich ist nicht besonders hoch, sie ist aber auch stark irreführend. Westchina etwa weist eine sehr niedrige Bevölkerung auf großem Territorium auf; dieses Territorium kann aber aufgrund des Klimas auch nicht mehr Menschen aufnehmen.

Dagegen konzentrieren sich etwa 115 Millionen Menschen, also fast 10 % der chinesischen Bevölkerung, auf einer Fläche von nur 50.000 km². Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt auf 10 % der Fläche, was einer Bevölkerungsdichte von 740 Personen pro Quadratkilometer entspricht; und 90 % der Bevölkerung leben auf einem Drittel des Staatsterritoriums, was bedeutet, dass 90 % der Bevölkerung in Gebieten leben, die mit 350 Einw./km² so dicht bevölkert sind wie Europas dichtestbesiedelte Länder.

Urbanisierung

Bei der Gründung der Volksrepublik im Jahre 1949 lebte nur einer von zehn Chinesen in Städten. Bis heute ist der Urbanisierungsgrad mit knapp über 30 % relativ gering. Dies hat seine Ursache vor allem darin, dass der Zuzug in die Städte die meiste Zeit nicht möglich war, und auch heute herrscht keine Freizügigkeit. Zudem gab es in den 1960er Jahren große Kampagnen, bei denen Menschen von den Städten auf das Land umgesiedelt wurden teils, um die überfüllten Städte mit hoher Arbeitslosigkeit zu entlasten, teils aus dem ideologischen Anspruch, Klassenunterschiede und damit Unterschiede zwischen Stadt- und Landbewohnern aufzuheben. Der Urbanisierungsgrad blieb deshalb in den 1960er und 1970er Jahren weitgehend gleich, zeitweise sank er sogar. Dies ist ein einzigartiges Vorkommen in der Weltgeschichte.

Migration

Seit 1949 sind immer wieder geplante Umsiedelungen aus dicht besiedelten Gebieten in kaum besiedelte Regionen Nord-, Nordost- und Westchinas durchgeführt worden. Solche Aktionen gab es allerdings bereits schon während der Kaiserzeit. Die Motivation waren strategischer Natur (Erschließung neuer Gebiete, Sinisierung von Gebieten, die überwiegend von ethnischen Minderheiten bewohnt wurden), wirtschaftlicher Natur (Modernisierung der Landwirtschaft in abgelegenen Regionen oder Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in überbevölkerten Regionen), häufig erfolgten die Umsiedelungen auch als Straf- oder Umerziehungsmaßnahme gegen politische Gegner.

Ein konkretes Beispiel für das Vorgehen bei der Erweiterung des Lebensraumes für das chinesische Volk ist Tibet: Am 20.6.1996 verurteilten alle Parteien des deutschen Bundestags "die Politik der chinesischen Behörden, die im Ergebnis gerade auch in Bezug auf Tibet zur Zerstörung der Identität führt, insbesondere mittels Ansiedelung und Zuwanderung von Chinesen in großer Zahl, Zwangssterilisierungen von Frauen und Zwangsabtreibungen, politischer, religiöser und kultureller Verfolgung und der Unterstellung des Landes unter eine chinesisch kontrollierte Administration." (Resolution zur Verbesserung der Menschenrechtssituation in Tibet, Bundestagsdrucksache 13/4445)

Seit Ende der 1970er Jahre gibt es diese Zwangsumsiedelungen nicht mehr. Trotzdem ist die Möglichkeit, den Wohnsitz und Arbeitsplatz zu wählen, eingeschränkt. Dies liegt am starken Migrationsdruck aus den armen Provinzen West- und Zentralchinas in die Küstengebiete. Zudem würde eine vollständige Liberalisierung eine starke Landflucht bedingen, und es wird befürchtet, dass dies die Städte destabilisieren würde. Bereits jetzt wird geschätzt, dass mehrere Millionen Wanderarbeiter größtenteils illegal und unangemeldet in den chinesischen Städten leben und arbeiten.

Völker

95 Prozent der Bevölkerung Chinas stellen die Han-Chinesen; für weitere Völker siehe den Artikel Indigene Völker Chinas, für eine komplette Auflistung den Artikel Völker Chinas.

Obwohl die 56 offiziell anerkannten nationalen Minderheiten gegenüber der Han-Mehrheit einige Vorrechte haben, wird der Regierung der Volksrepublik China vielerseits vorgeworfen, besonders die muslimischen Minderheiten zu unterdrücken. Einer der Brennpunkte ist Xinjiang, welches die Heimat der muslimischen Uiguren ist. Bereits seit der Eroberung durch das kaiserliche China gibt es eine starke chinesische Einwanderung nach Xinjiang, um einerseits die übervölkerten ostchinesischen Gebiete zu entlasten und andererseits die Bodenschätze Xinjiangs zu erschließen. Auch das Atomtestgelände des chinesischen Militärs befindet sich in der dünn besiedelten Region, wodurch es bei der einheimischen Bevölkerung zu Strahlenschäden kam.

Bevölkerungsentwicklung

Der Einfluss des Großen Sprung nach vorn ist deutlich sichtbar. Nach der Gründung der Volksrepublik im Jahre 1949 umfasste die Bevölkerung etwa 540 Millionen Menschen. In den 1950er Jahren stieg die Bevölkerungszahl stark an, trotz niedriger Lebenserwartung. Die politische Führung um Mao Zedong war der Ansicht, dass ein mächtiger Staat eine hohe Bevölkerungsanzahl benötigt. Erst am Ende des besagten Jahrzehntes begann man zögerlich mit Kampagnen zur Geburtenkontrolle.

Die Gesamtbevölkerung Chinas sank vorübergehend während des Großen Sprungs nach vorn, der eine große Hungerkatastrophe mit auslöste. Da die Überbevölkerung ein zusätzlicher Grund für die Hungersnot war, wurden in den 1960er Jahren zahlreiche Geburtenplanungskampagnen durchgeführt. Abtreibungen waren ab da erlaubt und Verhütungsmittel, wo vorhanden, kostenlos erhältlich. Die Kulturrevolution brachte die Kampagnen jedoch wiederum vorübergehend zum Stillstand.

Nach der Kulturrevolution wurden die Aktivitäten erneut verstärkt. Neben Kampagnen wurden das Heiratsalter erhöht und eine Zwei-Kind-Beschränkung eingeführt. Ab dem Ende der 1970er Jahre galten nochmals verschärfte Maßnahmen: In Zeiten der Wirtschaftsliberalisierungen und der Öffnung des Landes gegenüber dem Ausland galt die Überbevölkerung als Haupthindernis für den wirtschaftlichen Fortschritt. Die seit 1979 geltenden Regeln sehen die Ein-Kind-Familie und sofortige Abtreibung bei ungenehmigten Schwangerschaften vor. Die Regeln sind regional sehr unterschiedlich und es gab immer eine hohe Anzahl von Ausnahmen. Den nationalen Minderheiten wurden höhere Kinderzahlen zugestanden, ebenso Bauern, deren erstes Kind eine Tochter ist; auch die Sanktionierung von ungenehmigten Geburten reicht von Entzug von Sozialleistungen über Geldstrafen bis zu Entlassungsdrohungen. Insgesamt dürfte sich die Durchführung der Politik schwierig gestalten, man geht von einer hohen Dunkelziffer an Zweitgeburten aus, was durch Geld- und Personalmangel sowie Korruption ermöglicht wird.

Dennoch wird geschätzt, dass durch die Geburtenkontrolle zwischen 300 und 340 Millionen Geburten verhindert wurden. Trotz dieser Maßnahmen wird die Bevölkerung weiter wachsen, wobei für etwa 2030 mit 1,5 Milliarden Menschen der Gipfel erwartet wird. Danach wird ein Rückgang der Einwohnerzahl bis 2050 auf 1,3 Milliarden prognostiziert. Das aktuelle Bevölkerungswachstum liegt bei etwa 0,6 % pro Jahr.

Die Ein-Kind-Politik ist auch in China selbst nicht unumstritten. Jedoch ist das Problem der Überbevölkerung so gravierend, dass die Regierung an eine Milderung der Maßnahmen vorerst nicht denkt. Als Alternative ist eine steuerliche Schlechterstellung von Familien mit höheren Kinderzahlen im Gespräch. Das wäre auch eine Möglichkeit, dem Problem der Überalterung der Gesellschaft, die sich bereits abzeichnet, vorzubeugen.

Aufgrund von Abtreibungen weiblicher Föten kommen in China auf 100 Mädchen etwa 120 Jungen.

Religion

Die Volksrepublik ist nach wie vor ein offiziell atheistischer Staat. Nach mehr als einem halben Jahrhundert kommunistischer Herrschaft bekennt sich die überwältigende Mehrheit der Chinesen zumindest offiziell zu keiner Konfession. Es gibt keine offiziellen Statistiken über Religionszugehörigkeit. In Zahlen gegossene Aussagen über die Verbreitung einzelner Religionen sind allesamt problematisch. Dies liegt unter anderem daran, dass es im asiatischen Kulturkreis normal ist, sich zu mehr als einer Religion zu bekennen. Der Konfuzianismus, der eigentlich eher eine Sozialethik denn Religion ist, bestimmt bis heute die moralischen Verhaltensweisen der Chinesen, obwohl er speziell unter Mao Zedong bekämpft wurde.

Traditionelle Religionen sind Buddhismus, Taoismus, Islam, Christentum und Lamaismus (in Tibet und der Inneren Mongolei), daneben ist alter chinesischer Volks- und Aberglauben sehr einflussreich. Der Glaubensausübung sind nach wie vor strenge Grenzen gesetzt, auch wenn die einschlägigen Regelungen viel liberaler gehandhabt werden als noch in den frühen 1980er Jahren. Die Toleranz der Behörden ist andererseits auch stark abhängig von der generellen politischen Lage. So erfahren Tempel und Klöster seit einiger Zeit wieder starken Zulauf, was vor allem mit der größer gewordenen sozialen Unsicherheit seit den Reformen in Zusammenhang steht. Im gleichen Kontext sind zahlreiche neue religiöse Bewegungen zu sehen, die seit den späten 1980er Jahren entstanden sind und die von den Behörden zunächst ignoriert wurden. Die bekannteste dieser Bewegungen ist Falun Gong; deren Mitglieder werden seit einigen spektakulären Zwischenfällen wie jene vieler anderer Sekten und Endzeit-Kulte verfolgt.

Speziell dem Christentum steht die chinesische Regierung skeptisch gegen über, was nicht zuletzt historische Ursachen hat. Nur die sich dem Staat unterordnenden "patriotischen" Kirchen, etwa die Chinesische Katholisch Patriotische Vereinigung-- sind erlaubt. Diese erkennen als oberste Instanz nicht den Papst, sondern die Kommunistische Partei an.

Auch in den Buddhismus greift der chinesische Staat ein. Der deutsche Bundestag sieht hier den kriminellen Tatbestand der "Entführung". Diese Position besteht unverändert seit 1996: "Ein Beispiel für die Behinderung des religiösen Lebens der Tibeter ist die Entführung eines Jungen, der vom Dalai Lama als Reinkarnation des Panchen Lama benannt wurde, sowie die Einsetzung eines zweiten Panchen Lama durch die chinesischen Behörden." Diese Feststellung traf der deutsche Bundestag mit wenigen Enthaltungen am 20.6.1996. Das deutsche Parlament nahm damit Stellung zur Entführung des Panchen Lama und seiner Eltern im Jahr 1995. Der Bundestag forderte, dass "die chinesische Behörden dafür sorgen, dass Gedhun Choekyi Nyima und seine Familie sofort freigelassen werden und in ihr Heimatdorf zurückkehren können," sieht also die Verantwortung für die Beendigung der Entführung von Gedhun Choekyi Nyim bei den "chinesischen Behörden".

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel zu China aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.